Ein Gewinn für die offene Gesellschaft

Humanistischer Verband begrüßt Eröffnung der Ibn Rushd-Goethe-Moschee

„Wenn sich Menschen zusammenschließen, um ihren Glauben kritisch, auf Grundlage von Demokratie und Menschenrechten zu leben, ist das nur zu begrüßen. Die Ibn Rushd-Goethe-Moschee ist ein wichtiger Beitrag für das friedliche Zusammenleben und damit ein Gewinn für alle Menschen in der Stadt“, erklärt  Jan Gabriel, Präsident des Humanistischen Verbandes Berlin-Brandenburg (HVD).

Doch nicht allen scheint die Eröffnung der ersten liberalen Moschee Deutschlands zu gefallen. „Dass die Eröffnung unter Polizeischutz erfolgen muss, ist nicht nur ein Skandal, sondern macht auch deutlich, wie wichtig diese Moschee für die offene Gesellschaft ist“, ist Jan Gabriel überzeugt. Es sei zu hoffen, dass die Eröffnung über die Grenzen Berlins hinaus wirkt und liberale Muslim_innen animiert, sich zu organisieren. Dringend bedürfe es eines bedeutenden Gegengewichts zu konservativen Islamverbänden, die bislang den öffentlichen Diskurs dominierten. Auch der Staat benötige Ansprech- und Kooperationspartner, die einen aufgeklärten Islam vertreten.

Am heutigen Freitag eröffnet Seyran Ateş, Mitglied im Kuratorium des HVD, gemeinsam mit anderen liberalen Muslim_innen in Berlin die Ibn Rushd-Goethe-Moschee. Ein Ort für alle, die einen modernen, friedlichen und toleranten islamischen Glauben leben wollen. Das zeigt sich ganz konkret in einer geschlechtergerechten Auslegung des Korans. Der Gebetsraum steht allen Menschen, ganz gleich ob hetero-, homosexuell oder transgeschlechtlich, offen und das Freitagsgebet wird jeweils von einer Imamin und einem Imam vorgetragen.

Die Ibn-Rushd-Goethe-Moschee ist in einem Anbau der evangelischen Johanniskirche in Moabit untergebracht. Benannt ist sie nach dem arabischen Islamgelehrten, Philosophen und Arzt Ibn Rushd (1126–1198) und nach Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832).

Die Juristin, Frauenrechtlerin und Autorin Seyran Ateş, Trägerin des Landesverdienstordens und des Bundesverdienstkreuzes, engagiert sich seit Jahren insbesondere  für die Rechte muslimischer Frauen, positioniert sich gegen das Kopftuch, gegen Zwangsheirat und Ehrenmorde. Sie ist seit Gründung des Gremiums 2008 Mitglied im Kuratorium des Humanistischen Verbandes Berlin-Brandenburg. Das Kuratorium zählt 20 Mitglieder. Es versteht sich als unabhängiges Forum zur kritischen Diskussion von Zukunftsvisionen und nimmt die Rolle eines Expertengremiums wahr, das mit unterschiedlichem Fachwissen und beruflichen Erfahrungen Entscheidungsprozesse im HVD begleitet.

Der Humanistische Verband Berlin-Brandenburg e.V. vertritt als Weltanschauungsgemeinschaft die Interessen konfessionsfreier Menschen. In Berlin und Brandenburg betreibt er über zwanzig Kindertagesstätten, lehrt das Schulfach Humanistische Lebenskunde und veranstaltet die JugendFEIERn in der Region. In den Kinder- und Jugendeinrichtungen sowie dem Jugendverband, den Jungen Humanist_innen, unterstützt er diese in ihrer selbstbestimmten Entwicklung. Ferner bietet der Verband in zahlreichen sozialen Einrichtungen umfassende Beratung und Lebenshilfe an.

Fotos:

Jan Gabriel | © Evelin Frerk

Seyran Ateş | Urheber: Müjgan Arpat | via Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

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Sabrina Banze
Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit