Forschungsbereich 3: Politischer Humanismus - 3.2: Humanismus und Frieden

Thomas Heinrichs
Thomas Heinrichs

Politischer Humanismus sucht nach Lösungen für schwere politische und humanitäre Konflikte. Vor dem aktuellen Hintergrund der globalen Rückkehr nationalistischer, autoritärer und extremistischer Strömungen unterstützt er die Bemühungen um eine Erneuerung des Humanismus

Forschungsbereich 3.2: Humanismus und Frieden (Thomas Heinrichs)

"Wer mag das glauben, daß das noch Menschen sind und daß diese Leute nur noch ein Quentchen gesunden Menschenverstandes besitzen, die mich [den Frieden] mit so vielen Kosten, Vorkehrungen, Anstrengungen, Kniffen, Plackereien und Gefahren verjagen und diese Brut aller möglichen Übel [den Krieg] so teuer einzuhandeln suchen!"

Erasmus von Rotterdam, Klage des Friedens, anno 1517

 

Wenn der Humanismus eine Weltanschauung ist, die den Menschen, seine Würde, seine Integrität, seine Achtung als Person in das Zentrum stellt, dann ist klar, dass Positionen, die es für legitim halten, eigene Interessen im Wege der Ermordung anderer Menschen zu verfolgen, damit nicht vereinbar sind.

Mit dieser Ablehnung des Krieges als Mittel der Politik ist jedoch noch nicht geklärt, inwieweit der Humanismus ein Pazifismus ist. Kriegerische Gewalt begleitet die Menschheit seit Jahrtausenden, und ein Ende ist nicht abzusehen. Wie soll man sich als Humanist dazu verhalten?
Dass jeder, der von Gewalt betroffen ist, sich mit Gewalt zur Wehr setzen darf, dürfte noch relativ unstreitig sein. Auch hier muss man sich aber fragen, ob mit zivilem Widerstand nicht mehr erreicht werden kann.

Wie aber sieht es aus, wenn es darum geht, Anderen von Gewalt Betroffenen zu helfen? Unter welchen Voraussetzungen und mit welchen Mitteln kann dies zulässig sein?
Während früher die Religionen Kriege gerechtfertigt haben, und man für Gott und Vaterland ins Feld gezogen ist, werden im modernen Diskurs Kriege als humanitäre Aktionen gerechtfertigt. An die Stelle eines religiösen Legitimationsdiskurses ist in vielen kriegsführenden Staaten ein humanitärer Legitimationsdiskurs getreten. Auf dessen Grundlage wird inzwischen wieder vertreten, es könne gerechte Kriege geben. Dies ist eine Herausforderung für den weltanschaulichen Humanismus. Er muss sich dazu verhalten.

Bekanntermaßen haben sich nach dem Ende des Ost-West-Konfliktes neue Konflikte und neue Formen von Kriegen entwickelt. Die Antworten der alten Friedensbewegung auf die Frage nach Krieg und Frieden passen nicht mehr.

Wie lassen sich Krieg und Frieden überhaupt sinnvoll definieren? Was sind die Ursachen für gewaltförmige Konfliktaustragung im inneren wie äußeren Verhältnis der Gesellschaften? Können unterschiedliche Ursachen gewaltsamer Konflikte aus einer humanistischen Perspektive bewertet werden? Wie müsste eine Gesellschaft gestaltet werden, die die Entstehung von Ursachen gewaltsamer Konfliktaustragung möglichst vermeidet? Welche konkreten Maßnahmen zum Umbau der Gesellschaft wären erforderlich? Unter welchen sozialen Voraussetzungen lassen sich gewaltarme Konfliktlösungsmodelle in Gesellschaften implementieren? Ab wann kann von einer friedlichen Gesellschaft gesprochen werden? Anhand welcher Maßstäbe lässt sich bestimmen, wann eine gewaltsame Intervention aus humanistischer Perspektive nötig, gerechtfertigt und erfolgsversprechend sein kann? Wie ist der Gefahr der Instrumentalisierung von gewaltsamen Interventionen aus humanistischen Gründen durch die beteiligten politische Kräfte zu begegnen?

Diesen und weiteren Fragen soll nachgegangen werden, um eine humanistische Position zur Frage von Krieg und Frieden zu entwickeln, die den Anforderungen, die die derzeitige Lage an Humanisten stellt, gerecht werden kann.

 

Ansprechpartner: Thomas Heinrichs

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