Partizipation in den Humanistischen Kitas

Eine demokratische Gesellschaft braucht Menschen, die in der Lage sind, für die eigenen Belange und die der Gemeinschaft konstruktiv zu streiten, d.h. eigene Interessen zu vertreten, sich in andere hineinzuversetzen und nicht zu Lasten des friedlichen Zusammenlebens gewaltsam durchzusetzen.  

Demokratie braucht Beteiligung oder wie es Max Frisch formuliert:  

"Demokratie heißt, sich in seine eigenen Angelegenheiten einzumischen." 

In der UN Kinderrechtskonvention wird im Art. 12 die Subjektstellung der Kinder aufgezeigt und die Beteiligung des Kindes an allen es betreffenden Angelegenheiten formuliert. Das SGB VIII zeigt an unterschiedlichen Stellen Partizipationsrechte von Kindern auf, am deutlichsten allerdings im § 8. 

Partizipation als demokratiestärkende Basis kann gelingen, wenn Kinder von Anfang an erleben, dass ihre Gedanken und Gefühle, ihre Bedürfnisse und Rechte ernst genommen und gewahrt werden. Sie kann gelingen, wenn Erwachsene verantwortungsvoll und demokratisch ausgerichtet mit ihrer Macht umgehen und den Kindern nicht ihren Willen aufzwingen.  

Kinder müssen in der ihnen eigenen Weise, ihren vielgestaltigen Vorstellungen von sich selbst, von Anderen, von der Welt Ausdruck verleihen können und sich dabei als gleichwertiges Gegenüber von Erwachsenen erleben. 

Aus diesem Grund messen wir vor allem dem Dialog mit Kindern eine besondere Bedeutung bei. Er wird sichtbar, wenn Pädagog_innen gegenüber Kindern: 

  • sich Zeit nehmen 
  • respektvoll agieren  
  • aufmerksam und interessiert zuhören 
  • eine wertschätzende/ beziehungsorientierte/ fragende Haltung zeigen 

Kinder, die sich individuell mit ihren Bedürfnissen wahrgenommen fühlen, sich in ihren Rechten bestärkt sehen, diese kennen und im Besonderen selbstwirksame Erfahrungen machen, sind bereit, in einer Gemeinschaft zu kooperieren bzw. solidarisches Handeln zu zeigen. 

Sie müssen im Sinne einer zivilgesellschaftlichen Praxis jeden Tag erleben, dass es unterschiedliche Sichtweisen gibt, deren Austausch für ein friedliches Zusammenleben unerlässlich ist. Dieser Austausch braucht Transparenz, wechselseitigen Respekt und Annäherung, statt einer Freund – Feindausrichtung.  

Kinder wollen über sich selbst bestimmen, wollen mitreden, mitarbeiten, mitentscheiden und sich für die Gemeinschaft engagieren. In den Humanistischen Kitas ist dies schon längst in Leitgedanken, Qualitätsstandards und Konzepten verschriftlicht und wird nun durch entsprechende Prozesse hinterfragt, genauer definiert, bestätigt und verstärkt.  

Die Beschwerde sehen wir als wesentliches Merkmal der Beteiligung von Kindern. Es gilt im Besonderen zu erkennen, wo sich die Kinder mehr Beteiligung wünschen, was sie stört, bewegt, was sie gern verändert haben wollen uvm. In diesem und im nächsten Jahr evaluieren wir das Beschwerderecht von Kindern. 

Hierfür nutzen wir die Möglichkeit, die Perspektive der Kinder in Form von Gesprächskreisen in Erfahrung zu bringen. Des Weiteren werden in den verschiedenen Kitateams das Vorgehen entsprechend dem Beschwerdeverfahren reflektiert und die Eltern dazu befragt. 

Uns geht es vor allem darum, mit den Kindern statt für die Kinder zu handeln. Wir sehen sie als Experten in eigener Sache, wollen sie in ihrem Mündigwerden unterstützen und hierbei unsere Machtstellung durch Partizipation verändern.  

Demzufolge prüfen die Erwachsenen in unseren Kitas sehr verantwortungsvoll, welche Entscheidungsmöglichkeiten/ -themen sie den Kindern einräumen und welche nicht (im Sinne einer sorgenden Verpflichtung). Auf diese können sich die Kinder dann auch verlassen.  

Die verschiedenen Kitateams werden ihre ganz eigenen Entwicklungs- und Gestaltungsprozesse mit ihren KitaLeiter_innen und natürlich den Kindern durchlaufen, einen Beteiligungsrahmen definieren und entsprechende Strukturen schaffen, diese wieder verwerfen, gemeinsam neu denken usw.  

"Freiheit ergibt sich nicht von selbst, sie muss gewollt, beschlossen und gestaltet werden." Dr.phil. Heinrich Kupffer "Erziehung – Angriff auf die Freiheit" 1980

Mit Verfahrensabläufen, fachlicher Begleitung und Qualifizierungen erfahren die Mitarbeiter_innen in den Kitas zu folgenden Themen Unterstützung und Handlungssicherheit vom Bereich Humanistische Frühpädagogik: 

  • Verständnis und Umgang mit Beschwerden 
  • Beteiligungsthemen, - rahmen und Umsetzung  
  • Durchführung von Abstimmungsprozessen  

Im Sinne des Schutzkonzeptes möchten wir auf jeden Fall, dass Überforderungssituationen vermieden werden. 

Unser regelmäßig zu prüfendes Ziel ist und bleibt jedoch ein von Respekt, Zugewandtheit, Interesse, wohlwollender Atmosphäre geprägtes Klima. Jede Mitteilung ist erwünscht und jeder soll sich gehört, gefragt und geachtet fühlen!

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Andrea Lindae
Referentin Humanistische Frühpädagogik