• Schwestern in Not
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  • Klappe auf! Für Demokratie und Kinderrechte

Lebenskundefilm „Schwestern in Not!“ des Kinderrechte-Filmfestivals in Potsdam

Aufgeregt sitzen Joan und Cris neben mir in Reihe 12 des Thalia Kinos in Potsdam-Babelsberg und fiebern "ihrem" Kinderrechte-Kurzfilm "Schwestern in Not!" entgegen: "Wenn wir dran sind, schreie ich ganz laut…" flüstert Joan mir ins Ohr. Cris nickt zustimmend. Die ganze Kinoreihe 12 ist mit Lebenskundeschüler*innen der 4. und 5. Klasse der Fred-Vogel-Grundschule aus Fredersdorf-Vogelsdorf und ihren Eltern, Großeltern und Geschwistern besetzt und endlich ist es soweit: nach 5 Kurzfilmen, ruft der ganze Kinosaal zum 5. Mal im Chor "Klappe auf – Film ab!" und unser Film "Schwestern in Not!" beginnt. Es wird ganz still im Saal und alle schauen gebannt auf die Leinwand, als die Geschwister Lia und Jenny, gespielt von Anika und Lilly hustend und schniefend an ihren Hausaufgaben sitzen, während ihre alkoholkranke Mutter auf dem Sofa liegt und nach einer Flasche Wein ruft. Bei der darauffolgenden Szene im Supermarkt, in der die Schwestern aus Geldmangel Alkohol für die Mutter stehlen und es eine Verfolgungsjagd gibt, geht das Publikum richtig mit und einige wippen mit ihren Oberkörpern im Takt zu der peppigen Filmmusik. Beim offenen Ende des Kurzfilms sind sogar einige feuchte Augen zu sehen.

Auf dem Kinderrechte-Filmfestival in Potsdam wurden am 3. und 4.6.2018 insgesamt 15 Kurzfilme von Brandenburger Grundschüler*innen gezeigt, die sie vorher in dem 4tägigen Projekt "Klappe auf! für Demokratie und Kinderrechte" vom Landesverband Kinder und Jugendfilm Berlin e.V. (KiJuFi) erarbeitet hatten. An beiden Tagen waren jeweils etwa 300 Kinder und ihre Begleiter*innen anwesend. Alle Filme wurden von einer Erwachsenen- und Kinderjury bewertet und erhielten eine Auszeichnung und sind seit der Premiere online bei youtube zu sehen.

Unser Film "Schwestern in Not!" entstand in mehreren Schritten: Wir beschäftigten uns im Lebenskundeunterricht bereits einige Zeit mit den Rechten der Kinder und mit dem Leben der Kinder unserer Partnerschule im peruanischen Regenwald, bevor die Schüler*innen an  einem Kinderrechte-Workshop bei Carina Drews von KiJuFi teilnahmen. Dort entschieden sie sich für die Artikel 24 und 27 der UN Kinderrechtskonvention: "Jedes Kind hat das Recht auf Gesundheit, Geborgenheit und ohne Not zu leben" und setzten dies an drei Projekttagen zu Filmidee, Drehvorbereitung und Filmdreh und in einigen Lebenskundestunden mit viel Kreativität und Liebe zum Detail sowie fachlicher und liebevoller Unterstützung der Filmcoach Rebecca Kunsch (KiJuFi) um.

Gedreht wurde in der VHG mit IKB Fred-Vogel-Grundschule sowie im Fredersdorfer Supermarkt REWE. Wir konnten das Projekt im Rahmen des Lebenskundeunterrichts des  Humanistischen Verbandes Berlin-Brandenburg KdÖr durchführen und erhielten finanzielle Unterstützung vom Lions Club Strausberg.

Als die Lebenskundegruppe nach viel Applaus auf der Bühne steht und zu ihrem Film interviewt wird, sagt Lilly: "Wir waren schon sehr aufgeregt, wie der Film beim Publikum ankommt?" Aus den ersten Reihen kommt ein lauter Ruf: "Super!". Alle Kinder auf der Bühne lachen und sind stolz.

"Es war ein richtig tolles Projekt und echt superspannend uns selbst auf der Leinwand zu sehen und dann auch noch auf der Bühne zu stehen vor so vielen Menschen." erzählt Cris am nächsten Tag begeistert in seiner Klasse: "Ja, aber auch ein bisschen komisch!" meinen Amelie und Selin.

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Kirsten Rother-Döhring
Lebenskundelehrerin