•   Über 60 Stunden Filmmaterial werden für die EINE_R VON UNS-Kampagne aufgenommen.
    Foto: Konstantin Börner Über 60 Stunden Filmmaterial werden für die EINE_R VON UNS-Kampagne aufgenommen.

Kampagne: „Wir wollen zeigen, dass ­Humanismus konkret und greifbar ist“

Bei unserer aktuellen Kampagne EINE_R VON UNS setzen wir stark auf digitale Kanäle und soziale Medien. Welche Möglichkeiten eröffnen Facebook, YouTube und Co. einer Organisation wie unserer? Was machen bei Trollen und Shitstorms? Sabrina Banze spricht mit LYDIA SKRABANIA über die mediale Gestaltung der Kampa­gne, positive und negative Erfahrungen in den sozialen Medien und hilfreiche Strategien.

Sabrina, wie ist eure Kampagne konzipiert? Wie seid ihr an die Medienauswahl herangegangen?

Insgesamt hatten wir den Wunsch, mehr Geschichten zu erzählen, näher zu den Leuten zu kommen. Uns war relativ schnell klar, dass wir Menschen aus unserem Verband vorstellen möchten – und dass wir sie selbst erzählen lassen wollen. Wir wollten unseren Verband in seiner Vielfalt darstellen, das heißt, wir brauchten Frauen und Männer, Berliner_innen und Brandenburger_innen, Junge und Alte, Hauptamtliche und Ehrenamtliche. Unsere Kampagne sollte zudem crossmedial funktionieren, die Menschen sowohl im Netz als auch in ihrem realen Alltag erreichen. Es stand von Anfang an fest, dass wir dafür bewegte Bilder brauchen und die sozialen Medien stark nutzen wollen. Vieles ist danach gewachsen – es sind immer mehr Ideen dazugekommen.

Welche Ziele hat die Kampagne, was wollt ihr damit vermitteln?

Wir wollen zeigen, dass Humanismus konkret und greifbar ist. Sichtbar machen, was für die Menschen bei uns Humanismus bedeutet und wie das konkret in ihrem Alltag aussieht. Denn Humanismus ist deutlich mehr als eine verkopfte Theorie. Wenn man die Leute erzählen lässt, was sie machen und was ihnen wichtig ist, welche Werte sie vertreten, dann wird relativ schnell klar, wie alltäglich und praktisch Humanismus ist. Deshalb erzählen wir auch keine abgeschlossene Geschichte, wir kuratieren viel mehr die Geschichten, die Thea, Richard, Karina und all die anderen zu erzählen haben. Wir erreichen zum Beispiel über die sozialen Netzwerke auf diese Weise sehr niedrigschwellig Menschen, die uns noch gar nicht kennen. Und viele erkennen sich und ihren Alltag darin wieder – sie leben nämlich nach humanistischen Werten, ohne sich das vor Augen zu führen.

Eure Kampagne ist sehr vielfältig und bezieht jede Menge Medien ein: Kino, YouTube, Facebook, Webseite, Plakate, Postkarten, Stoffbeutel, T-Shirts, Buttons und vieles mehr Wo bekommt ihr das meiste Feedback?

Wir merken die Wirkung vor allem in den sozialen Medien und auf der Straße, also da, wo wir den direkten Kontakt mit Menschen haben, ob das nun digital oder analog ist. Natürlich kommt auch die eine oder andere E-Mail als Reaktion, aber gerade auf Social Media haben wir gemerkt, dass wir auf Kampagnenstatements wie "Hass bringt nichts" oder "Es ist scheißegal, wen Du liebst" mehr Reaktionen bekommen als auf glatte Beiträge, an denen sich niemand reibt. Wir merken, dass es klare, emotionale Botschaften sind, hinter denen sich Leute versammeln. Auf schwammige Aussagen bekommt man keine Reaktionen.

Wie sind denn die Reaktionen, die ihr bekommt?

Tatsächlich bisher fast ausschließlich positiv, die Beiträge werden viel geteilt. Unsere noch überschaubaren Follower-Zahlen bei Facebook und Twitter steigen langsam aber stetig, auch dank der Kampagne. Einige Kampagnen­inhalte polarisieren durchaus stark. "Gott hilft nicht" zum Beispiel wird oft falsch verstanden – als wollten wir sagen, dass Glauben nicht hilft. Dabei hilft vielen Menschen ihr Glaube, das streiten wir gar nicht ab. Aber wir denken, dass es keine übernatürliche Instanz gibt, die die Dinge schon richten wird. Die Menschen müssen selbst tätig werden. Über solche Missverständnisse entstehen häufig spannende Gespräche und Diskussionen.

Sabrina Banze sieht vor allem im Bereich der sozialen ­Medien viele Möglichkeiten, mit starken Aussagen und klaren Statements zu punkten.
Foto: Konstantin Börner Sabrina Banze sieht vor allem im Bereich der sozialen ­Medien viele Möglichkeiten, mit starken Aussagen und klaren Statements zu punkten.

Welche Vorteile haben soziale Medien beziehungsweise Kanäle?

Der ganz große Vorteil ist, dass soziale Medien extrem niedrigschwellig sind. Sie bieten eine tolle Möglichkeit, Menschen zu erreichen. Denn auf die eigene Website müssen die Leute erst einmal kommen. Es ist viel leichter, unseren Facebook-Kanal zu abonnieren und zu schauen: Was machen die? Wo sind die vertreten? Wofür stehen die? Man kann also sympathisieren, ohne sich direkt festlegen zu müssen. Und das funktioniert auch über Landesgrenzen hinaus. Wir bekommen Nachrichten nicht nur aus Berlin und Brandenburg, sondern aus ganz Deutschland.

Potenziell muss man sich im Netz und in den sozialen Medien aber auch mit Negativem wie Hate Speech, Trollen und Fake News herumschlagen.

Klar, Trolle, Shitstorms – das kann’s geben. Das hatten wir in der Form aber erst einmal, mit Anhänger_innen der AfD. Es hat auch Zeit und Nerven gekostet, die Negativbewertung der "AfD-Klickarmee" wieder auszugleichen. Ansonsten gibt es wie auch in der echten Welt immer Leute und Positionen, mit denen man sich auseinandersetzen muss. Ein deutlicher Unterschied zur echten Welt ist: Im Netz lesen viele Menschen mit. Und auch die nehmen wahr, ob und wie wir auf kritische Stimmen reagieren.

Ein Shitstorm kann also langfristig sogar etwas Positives bringen, wenn er eine starke Positionierung ermöglicht?

Ja, wir haben damals viel positives Feedback bekommen, weil wir uns dazu entschieden hatten, ganz transparent zu machen, warum wir es nicht für richtig halten, die AfD wie jede andere Partei zu behandeln. Wir haben gemerkt, dass diese Transparenz honoriert wird. Aber es kostet eben manchmal auch Zeit und Nerven. Wir führen nicht jede Diskussion über Stunden hinweg. Wir antworten zwei, drei, vier Mal. Und wenn wir merken, es läuft sich tot, dann lassen wir’s. Und wir weisen darauf hin, dass man bitte auf unserer Seite nett zueinander ist.

Ist es denn manchmal schwierig, nicht die Nerven zu verlieren, wenn jemand im Netz herumwütet oder hetzt, sich dann nicht im Tonfall zu vergreifen?

So sehr uns Hass und Hetze auch manchmal wütend machen: Es geht nie ohne Höflichkeit, aber das gilt ja auch für den privaten Umgang. Wenn man Menschen, die einem wütend begegnen und einen anfeinden, auch wieder mit Wut begegnet, bekommt man eine Wutspirale, einen Kreislauf, den keiner mehr aufbrechen kann. Das bringt gar nichts. Manchen geht es nur darum, Stunk zu machen, die sind dann sowieso für kein Argument offen. Und man tut sich selbst auch keinen Gefallen damit.

Noch einmal zurück zu eurer Kampagne: Was war bisher das Wichtigste, das ihr aus den Rückmeldungen für euch mitgenommen habt?

Eine tolle Erfahrung sind die Reaktionen, die man bekommt, wenn man mit klaren Statements rausgeht und Haltung zeigt. Damit können sich die Leute dann identifizieren – und wenn nicht, können sie darüber diskutieren. Das ist, glaube ich, was die Kampagne trägt.

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Lydia Skrabania
Bundesreferentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

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