• Kunsttherapie kann ein allmähliches und behutsames Herausführen aus innerer Isolation ermöglichen oder eine erholsame Auszeit von Leid und Bedrückung bieten
    Foto: Konstantin BörnerKunsttherapie kann ein allmähliches und behutsames Herausführen aus innerer Isolation ermöglichen oder eine erholsame Auszeit von Leid und Bedrückung bieten

Kunsttherapie

Kunsttherapie für erkrankte Kinder

"Der Seele Bilder malen, Samen säen..."

Im Kinderhospiz Berliner Herz wird Kunsttherapie sowohl für unheilbar erkrankte junge Menschen als auch für deren Geschwister und Eltern angeboten.

In der Arbeit mit schwerkranken und sterbenden Kindern sowie Jugendlichen und jungen Erwachsenen hat sich die Kunsttherapie als tragender und wichtiger Teil der psychosozialen Betreuung bewährt und ist inzwischen ein unverzichtbarer Bestandteil der internationalen Hospizarbeit. Sie leistet in der außergewöhnlichen Situation, in der sich unheilbar erkrankte Kinder befinden, einen wichtigen Beitrag zur psychischen und seelischen Entlastung.

Eine prozess- und ressourcenorientierte Therapieform

Die Kunsttherapie bietet dem unheilbar erkrankten Kind die Möglichkeit, sich über das Medium Kunst mitzuteilen, auch wenn die Sprache fehlt. Trotz körperlicher Defizite können sich unheilbar erkrankte Kinder in einen aktiv schöpferischen, dialoghaften und auch freudvollen Handlungsprozess begeben und dabei den Verlauf dieses Prozesses maßgeblich bestimmen. Der zunächst nonverbale künstlerische Prozess kann somit ein allmähliches und behutsames Herausführen aus innerer Isolation ermöglichen, eine erholsame Auszeit von Leid und Bedrückung bedeuten und gleichzeitig Prophylaxe zur Vermeidung weiterer psychosomatischer Beschwerden sein.

Kunsttherapie wird im Kinderhospiz Berliner Herz aktuell durch zwei Diplom-Kunsttherapeuten in der Helios-Klinik Berlin-Steglitz (Mukoviszidose-Station/Immunologie) und im Klinikum Berlin-Buch (Schwerpunkt Pneumologie) angeboten. Wir besuchen aber auch Familien mit lebensbedrohlich erkrankten Kindern im Großraum Berlin zuhause.

Eine aufsuchende Hilfe, auch für Geschwisterkinder

Da die Kunsttherapie für das Berliner Herz in der Regel eine aufsuchende, ambulante Form der Therapie darstellt, bedarf es hier seitens des Kunsttherapeuten einer ganz besonderen Aufmerksamkeit auf die Gewährleistung und Einhaltung eines geschützten Rahmens. Nur so kann dem gestaltenden jungen Menschen (trotz eines beispielsweise hektischen Klinikalltags oder einer belasteten Familiensituation) das ungestörte Eintauchen in den therapeutischen Prozess und in die eigene innere Bilderwelt ermöglicht werden. Ein gefahrloses Ausprobieren und Umsetzen neuer Herangehensweisen an innere Fragestellungen, Nöte, Ängste etc. innerhalb des Gestaltungsprozesses kann nur in diesem geschützten Rahmen gewährleistet werden.

Auch Geschwisterkinder sollten innerhalb des kunsttherapeutischen Prozesses erleben können, dass sie ihren belastenden und zum Teil widersprüchlichen Gedanken und Gefühlen auf Dauer nicht schutzlos ausgeliefert sein müssen. Widerstreitende Emotionen wie Wut und Trauer oder Hass und Schuld sind in ihrer Situation durchaus natürliche und verständliche Reaktionen. Mit der Zeit können diese Gefühle klären, wenn sie ausgedrückt und somit be- und verarbeitbar gemacht werden. Dies ermöglicht gleichermaßen der kunsttherapeutische Ansatz. Die verschiedenen Altersstufen der Kinder erfordern dabei jeweils unterschiedliche individuelle Unterstützungs- und Begleitungsformen.

Innere Stärke für Eltern

Für trauernde Eltern kann kunsttherapeutische Arbeit bedeuten, sich innerhalb des künstlerischen Prozesses den eigenen inneren Stärken und Stützen wieder bewußter zu werden, diese anzunehmen und somit zukünftig auch für die Bearbeitung der eigenen seelischen Ausnahmesituation nutzbar zu machen.

Die im künstlerischen Tun entstandenen Bilder oder Plastiken werden in der Kunsttherapie nicht vordergründig als Kunstwerk beurteilt, aber unbedingt willkommen geheißen und in ihrer individuellen Bildsprache wertgeschätzt. Sie dienen vielmehr als ein innerer Hinweis und sind möglicherweise Wegweiser für den weiteren Verlauf des gestalterischen Prozesses. Gleichwohl können die entstandenen Bilder Botschaften oder Anknüpfungspunkte für Gespräche sein. Sie können die Außenwelt berühren, an Wesentliches erinnern oder einfach nur Freude schenken.

Kunsttherapie findet in Einzel- oder  Gruppenarbeit statt. Die Angebotspalette der ambulanten wie auch der stationären Kunsttherapie ("mobiles Atelier", besuchend mit Korb und Wägelchen) ist mannigfaltig, immer an Wünschen, Bedürfnissen und Situationen des Patienten ausgerichtet und umfasst unter anderem:

  • Malen mit Auarell- oder Temperafarben ( "Naß-in-Naß"-Technik)
  • Farbmeditation mit Pflanzenfarben
  • Zeichnen (Pastelle, Wachskreiden, Filz- Bunt und Graphitstifte)
  • Plastisch- Therapeutisches Gestalten mit Ton oder Plastilin
  • Spontanes Ausdrucksmalen
  • Kalligrafisches Zeichnen ( Zen- Kunst,  Meditation, Selbstwahrnehmung)
  • freikünstlerisches Arbeiten
  • Film/Videoarbeit
  • Lyrik/ Gedichte

Von Gerald Auler und Frauke Schärff

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