• Der U-Bahnhof Lichtenberg blieb im vergangenen Winter nachts für Obdachlose geöffnet.
    Foto: IngolfBLN via Wikimedia Commons (CC BY-SA 2.0) Der U-Bahnhof Lichtenberg blieb im vergangenen Winter nachts für Obdachlose geöffnet.

"Der Senat darf die Verantwortung nicht abgeben“

"Immer mehr Menschen in Berlin leben auf der Straße und sind dringend auf Notlösungen angewiesen. Eben auch darauf, in kalten Winternächten in einem U-Bahnhof Schutz zu suchen. Dass diese Option bei extremer Kälte nun wegfällt, ist für die Betroffenen dramatisch", sagt Katrin Schwabow, die beim Humanistischen Verband Berlin-Brandenburg für den Bereich Wohnungslosenhilfe zuständig ist.

Der Verband betreibt etwa den TagesTreff für Wohnungslose und Bedürftige am Bahnhof Lichtenberg – direkt gegenüber des U-Bahnhofs, der im vergangenen Winter noch als einer von zwei Kältebahnhöfen im Stadtgebiet 24 Stunden am Tag geöffnet blieb.

"Dass wir in Berlin bei Minusgraden auf zwei nachts geöffnete U-Bahnhöfe so sehr angewiesen sind, zeigt allerdings bereits die Dimension des Problems: Hier ist der Senat aufgefordert, eine gesamtstädtische Lösung zu forcieren. Er darf die Verantwortung nicht an Wohltätigkeitsorganisationen und Unternehmen wie die BVG abgeben. Diese sind aber natürlich gefragt, sich zu beteiligen und ihren Beitrag zu leisten", so Katrin Schwabow.

Die Zahl derer, die die Berliner U-Bahnhöfe im Winter als Notlager nutzten, ist laut BVG in den vergangenen Jahren enorm gestiegen. Das Unternehmen verweist Medienberichten zufolge auf Gefahren durch Starkstrom und das Fehlen sanitärer Einrichtungen sowie menschenwürdiger Schlafplätze, aber auch auf die Fürsorgepflicht gegenüber den eigenen Mitarbeiter_innen. Katrin Schwabow findet, dass die Notlösung U-Bahnhof dennoch nicht vollkommen abgeschafft werden darf.

"Im Zweifel geht es bei extremer Kälte um das Retten von Menschenleben. Dafür muss jedes Mittel recht sein, auch die nächtliche Zweckentfremdung von U-Bahnhöfen."

Je nach Quelle und Definition leben in Berlin etwa 3.000 bis 10.000 Menschen auf der Straße. Im vergangenen Jahr standen in der Hauptstadt bis zu 1.200 Notschlafplätze der Kältehilfe bereit.

Schlafplätze für Obdachlose werden das ganze Jahr über benötigt. So eröffnet die Berliner Stadtmission am morgigen Donnerstag, 20. September, eine Notübernachtung am Containerbahnhof in Berlin-Friedrichshain.

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Katrin Schwabow
Bereichsleitung Kostensatzprojekte
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Sabrina Banze
Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit