Beschwerdemanagement - oder auf den Spuren der Bedürfnisse unserer Kinder

Kinderbeschwerde

Ist Situation vor der Beschwerde / Wunsch:

In der Zeit zwischen 8.00 und 9.00 Uhr ist bei uns in der Kita Frühstückszeit. Die Kinder, welche nicht frühstücken, gehen ab 8.00 Uhr in den Bauraum - ab 8.30 Uhr wird für danach ankommende Kinder die Wohnung geöffnet. Die Kinder, die fertig gegessen haben, teilen sich der Zeit entsprechend den Räumen zu (8-8.30 Uhr Bauraum / 8.30-9.00Uhr Wohnung)

Seit mehreren Tagen wunderten wir uns über Lilly, welche auf einmal (sonst noch nie) mit frühstücken wollte - aber dann nichts aß und nur am Tisch saß.

Am Montag den 2.12. kam Lilly früh mit ihrer Mutter zu mir beschwerte sich zusammen mit ihrer Mutter über die Raumsituation am Morgen.

Nur, weil sie nicht frühstückt, kann sie niemals früh in die Wohnung. Das findet sie nicht gut und wünscht sich eine Lösung.

(Über diese Situation hatten wir davor noch nicht nachgedacht.)

Gemeinsam schrieben wir es in unseren Planer und hielten den Gedanken fest.

Am selben Tag ging der Wunsch in die Kleinteamsitzung (um eine schnelle Lösung zu finden).

Wir diskutierten drei Gedanken:

  1. Die Wohnung ist bei den Kindern, gerade bei den Mädchen, sehr beliebt (Rollenspiele, verkleiden…)
  2. Die Kinder konnten bis dato nicht selbst entscheiden, wo sie ihren Morgen verbringen.
  3. Für unsere Planung (Dienstplan/ Personal) ist es egal, welcher Raum geöffnet wird.

Diese Gedanken gingen am Dienstag in den Morgenkreis. Mit den Kindern gemeinsam wurde beschlossen, dass die ersten Kinder, die am Morgen spielen gehen, abstimmen, welcher Raum geöffnet wird. Um es für die nachfolgenden Kinder und Eltern sichtbar zu machen, wurde eine Anzeigeuhr gebastelt.

Ein Infobrief ging an die Eltern am gleichen Tag in den Verteiler – so dass ab Mittwoch das neue System umgesetzt werden konnte.

Lilly ist sehr zufriedenmit sich und der veränderten Situation. Sie hat etwas bewirkt für sich selber und ihre Freunde.

Aus unserem Konzept:

 
Hierbei geht es nicht nur um die Erfüllung aller Bedürfnisse oder die absolute Freiheit sondern vielmehr darum,  dass das einzelne Kind mit seinen Bedürfnissen und Wünschen wahr und ernstgenommen wird.

In der Auseinandersetzung mit den Beschwerden der Kinder, kommen wir immer wieder den Bedürfnissen der Kinder auf die Spur. Wir überprüfen unsere Vorgehensweisen und Strukturen und orientieren uns an den Bedürfnissen der Kinder.

Das Kind als eigenes Individuum betrachten, das ein Recht darauf hat, an Entscheidungen, die es selbst treffen, beteiligt zu werden, ist Grundlage dafür, dass Kinder sich in ihrem eigenen Tempo entwickeln und sich im sozialen Miteinander üben und ausprobieren können.

Rechte haben , bedeutet auch um Rechte zu wissen und sie eigenständig in Anspruch nehmen zu können.

In unserer Kita sind die Regeln und Strukturen auf die Bedürfnisse der Kinder ausgerichtet und werden immer wieder neu überdacht und den Gegebenheiten der Kinder angepasst.

Wir sehen Beschwerden der Kinder als Entwicklungschance für Kinder und Pädagog_innen.

Sind Kinder unzufrieden, zeigen sie das in ihrem Verhalten oder sie äußern sich dazu. Adressaten sind meistens die Erwachsenen. Unsere Aufgabe ist es - ein wie auch immer gezeigtes Unwohlsein oder einen Veränderungswunsch - wahrzunehmen und darauf zu reagieren.

Die Kinder haben, wenn sie es nicht eine unmittelbare Lösung erfordert,  mit dem Morgenkreis ein Medium ihre Anliegen vorzutragen.

Die Kinder sollen die Erfahrung machen, dass ihre Anliegen ernst genommen werden. Sie sind ein wichtiger Teil der Gemeinschafft und können das Zusammenleben mitgestalten.  Beschwerden sind konstruktive und erwünschte Kritik. Unsere Kinder kennen ihre Beschwerderechte und die Möglichkeiten sich zu beschweren. Sie wissen: unsere Kitaregeln werden immer wieder an die Gegebenheiten angepasst und sind somit veränderbar. Dazu können sie beitragen - das fördert das Gefühl der Selbstwirksamkeit und bietet Grundlage und Motivation sich weiterhin zu engagieren.

Die Sensibilität der Mitarbeiter_innen für die Sichtweisen der Kinder ist erhöht. Als Pädagog_innen nehmen wir beim Annehmen einer Beschwerde eine fragende Haltung ein("worum geht’s dir?") um die Bedeutung der Äußerung des Kindes für sich selbst herauszufinden. Wir gehen auf Spurensuche nach den Bedürfnissen des Kindes.

Die Abläufe und Strukturen des gemeinsam entwickelten Beschwerdeverfahrens sind allen bekannt.

Kontakt

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Michaela Schulz
Leiterin Humanistische Kindertagesstätte Adlershofer Marktspatzen
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Jacob Saalfrank
Stellvertretender Leiter Humanistische Kindertagesstätte Adlershofer Marktspatzen