Kein Gott - Sein Konzept eines weltlichen Humanismus erläutert Dr. Dr. Joachim Kahl in Bochum

"Kein Gott" ist der Titel eines Gedichts von Heinz Kahlau, in welchem Dr. Dr. Joachim Kahl wesentliche Elemente seines Konzept eines weltlichen Humanismus findet und durch eine philosophische Interpretation des Gedichts einem breit gefächertem Publikum in der Meyerschen Buchhandlung in Bochum zugänglich macht. Schon der Titel "Kein Gott" ist dabei programmatisch. Kahl, der zunächst sein Studium der evangelischen Theologie mit einer Promotion abschloss, wandte sich von Gott ab und der Philosophie und dem Humanismus zu. Gerade in dieser Bewegung der Abwendung von Gott entsteht sein Anliegen einer innerweltlichen Begründung metaphysischer Bedürfnisse.

Kahlaus Gedicht sieht Kahl als authentische Selbstdarstellung eines undogmatischen, humanistischen Atheisten. Zwei zentrale humanistische Motive hebt er als Leitlinie des Gedichts hervor, die ein bewusstes Leben ausmachen: Individualität in der Gemeinschaft und Verantwortung für das eigene Handeln. Eingebettet in den Gedanken der eigenen Endlichkeit, der ein Leben und eine Orientierung in der Welt fordert, ist es gerade das eigene Schaffen, das etwas bleibendes und den Tod überdauerndes hervorbringt. Ein Gedanke, der angesichts der Endlichkeit auch Trost spendet. Die Orientierung in der Welt, die Endlichkeit bedeuten aber auch die Veränderung von Weltansichten und das Revidieren von vermeintlichen Wahrheiten. Die Begrenzung durch Abhängigkeiten arbeitet Kahl ebenso aus dem Gedicht heraus, wie das Selbstdenken, dass Kant zum Grundsatz der Aufklärung erhebt. Der Mensch, der in der gottlosen Welt das Zentrum des Gedichts und das Zentrum des Denkens Kahls bildet, wird dabei in seiner Fülle, in seinen Höhen und Tiefen erfasst. Dass der Mensch Sinn-fähig ist, bildet Kahls anthropologischen Kerngedanke. Die Sinnfähigkeit führe gerade nicht in eine Sinnlosigkeit der Welt sondern in die notwendige Schaffung von Sinninseln. Und so sieht Kahl in der Schaffung von Sinninseln eine Aufgabe des weltlichen Humanismus, die die Welt lebenswert mache.

Nach der umfangreichen Würdigung Kahlaus und einer zarten Kritik an einzelnen Punkten des Gedichts stellte Kahl sich einer lebhaften Diskussion. Dabei konnten sowohl die Frage, wie das Credo "allein aber in Gemeinschaft" für einen weltlichen Humanismus zu denken sei, als auch eine Erläuterung für eine diesseitige Spiritualität nicht abschließend geklärt werden und machen Lust gemeinsam weiter zu denken und zu diskutieren.  

Henrike Lerch

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