Gemeinsam in einem Boot

"Wie halte ich das Paddel?"
Foto: Kirsten Rother-Döhring "Wie halte ich das Paddel?"

Vom 12.-13.06.2021 fand die Paddeltour unseres Humanistischen Regionalverbands Märkisch Oderland KdöR "Gemeinsam in einem Boot! Streitschlichter*innen aus Märkisch Oderland auf dem (Wasser-)Weg zum Team" statt.

24 Streitschlichter*innen der 4.-6. Klassen der Fred-Vogel-Grundschule und der Grundschule Am Dorfanger aus Fredersdorf-Vogelsdorf und Petershagen-Eggersdorf paddelten am 12.06. auf der alten Spree von Hangelsberg Badestelle/Spielplatz zum Wasserwanderrastplatz Mönchwinkel mit einer Übernachtung und am 13.06. weiter bis nach Neu-Hartmannsdorf. Die Paddeltor wurde veranstaltet um die Streitschlichter*innen der beiden Grundschulen, die jährlich gemeinsam zu Streitschlichter*innen ausgebildet werden und normalerweise in den Hofpausen ihre Mitschüler*innen dabei unterstützen ihre Konflikte ohne Gewalt zu lösen, zu einem gemeinsamen Team zusammen wachsen zu lassen. Nach der langen Coronapause war diese Tour ein besonderes Highlight für das soziale Miteinander.

Die Kinder wurden begleitet von den beiden Leiterinnen der Streitschlichter*innen-AG und Vorstandsfrauen des HVD MOL KdöR Elke Blumberg und Kirsten Rother-Döhring, von Merhawi Kessete, ehrenamtlich für die Jungen Humanist*innen MOL tätig, Stephan Peters (Leiter des Jugendclubs Fredersdorf), René Schladensky (Jugendwerkstatt Hönow und Aloha-Kajak) sowie Iris Grunow (Physiotherapeutin und Paddelbegeisterte aus Schwerin). Die Boote wurden ausgeliehen vom Förderverein des Familienzentrums Storkow (Mark) e.V. sowie von Aloha Kajak. Finanziell gefördert wurde das Projekt vom Jugendforum und Lokaler Aktionsplan MOL im Bundesprogramm "Demokratie leben", von der Humanismus-Stiftung und von der Gemeinde Petershagen-Eggersdorf.
Aufgeregte Kinder und Eltern kommen am Samstag um 9 Uhr mit ihrem Gepäck am Wasserwanderrastplatz Mönchwinkel an. Wir laden das Übernachtungsgepäck in zwei Transporter mit Essen und Zelten, die vor Ort bleiben und und fahren in Kolonne gemeinsam zur Badestelle in Hangelsberg. Dort verabschieden sich die Kinder von ihren Eltern. Es gibt eine kurze Kennenlernrunde der Streitschlichter*innen aus Petershagen und Fredersdorf, eine Einweisung von dem erfahrenen Kajaktour-Profi Renè Schlandenky in die Nutzung der Boote und dann geht´s los aufs Wasser. Die Kinder hatten sich bereits in 2erTeams für die 2er Kajaks zusammengefunden und die erste Paddelrunde bei sonnigem Wetter läuft prima. Wir sehen den ersten Rotmilan, der versucht einen Fisch zu fangen, Enten und Schwäne. Die erste Badepause machen wir bei Spree-Curry und stärken uns mit Currywurst und Pommes. Kaum sind wir danach wieder in den Booten auf dem Wasser, kommt die erste "Husche", ein kräftiger Regenguss und alle sind nass, aber statt zu verzagen, ruft René "Abenteuer" , alle Kinder stimmen lachend ein und rufen laut "Abenteuer" im Chor. 24 Kinder und 6 Betreuer*innen paddeln mit Begeisterung mal langsam mal schnell ca. 6 Kilometer bis zu unserem Übernachtungsort. Zwischendurch begegnen wir anderen Paddlern, die interessiert und freundlich fragen, was wir denn für eine Gruppe seien und sehr positiv darauf reagieren, dass wir eine Streitschlichtergruppe mit Grundschüler*innen sind. Am Wasserwanderrastplatz Mönchwinkel angekommen, heisst es erstmal Boote aus dem Wassser und Zelte aufbauen Alle packen gemeinsam an und sind mit Freude dabei - bis der nächste Regenguss mit einem starken Wind kommt, uns zum zweiten Mal durchnässt und auch ein gerade aufgebautes Zelt in den Wald fliegen lässt. Das "Abenteuer" geht weiter, es wird über das fliegende Zelt gelacht, nasse Klamotten auf eine lange Wäscheleine gehangen, die Zelte fertig aufgebaut und eingesammelt. Dann bilden sich freiwillige Gruppen, die Holz sammeln, Feuer machen, kochen und baden. Eine Gruppe baut gemeinsam mit Merhawi eine Hütte aus Holzstämmen, Ästen und einer Plane. Die Badegruppe ist zugleich die Abwaschgruppe. Später geht noch eine zweite Gruppe baden. Am Lagerfeuer gibt es Gemüsesuppe mit Nudeln mit und ohne Würstchen. Das Lagerfeuer ist der Star des Abend. Aus der alten Glut, die weit unten in der Asche verborgen war, machen die Kinder ein Feuer ohne Feuerzeug oder Streichhölzer. Den ganzen Abend wird am Feuer mit Feuersteinen geübt, geschnitzt, gesägt und mit glühenden Stöcken experimentiert. Um 22 Uhr verschwinden die Kinder in ihren Zelten und es kehrt Ruhe ein.

Der nächste Morgen beginnt für einige Kinder sehr früh und sie versammeln sich am Lagerfeuer, werden jedoch von uns Betreuer*innen nochmal ins Zelt geschickt, damit sie fit für den Tag sind. Um 8.30 Uhr gibt es Frühstück mit frischen Brötchen und alle bereiten sich gleich den Proviant für den Tag vor. Und dann geht es auch schon weiter: Sachen packen, Zelte abbauen, Boote vorbereiten und aufs Wasser: bei den letzten beiden Etappen macht sich bei einigen Kindern die ungewohnte Paddelbewegung, die Anstrengung und Erschöpfung bemerkbar, aber mit etwas Motivation und Tauschen der Paddelpartner halten alle bis zum Ende prima durch. Auf dem Wasser treffen wir andere Paddler, eine Schwanenfamilie mit einem süßen Babyschwan, Wasserläufer, einen Bussard, Kormoran, Biber, Netze von der Gespinstmotte oder dem Eichenprozessionsspinner. Die Pause zwischendurch nutzen wir für ein Picknick und auch hier entdecken die Kinder in einer verlassenen Feuerstelle warme Glut und schaffen es wieder ohne Feuerzeug ein kleines Lagerfeuer zu entfachen, das wir vor dem Weiterfahren mit Wasser wieder löschen. Im Ziel in Neu-Hartmanndorf nach insgesamt ca. 15 Kilometern angekommen werden alle Ankommenden mit Jubel begrüßt und beklatscht.

In der anschließenden Auswertung auf der sonnigen Wiese sagen alle Kinder einen Satz, was ihnen an der Paddeltour gefallen hat und die anderen stimmen zu oder lehnen ab, indem sie im Stehkreis in die Mitte gehen oder stehen bleiben. Die Sätze "Ich habe neue Freunde gefunden", "Ich hatte viel Spaß beim Paddeln und mit euch Allen", "Wer würde nochmal so eine Paddeltour machen?" fanden große Zustimmung. Um 17 Uhr holen die Eltern ihre erschöpften, aber glücklichen Kinder ab.

Hier noch einige Rückmeldungen von Eltern nach der Paddeltour:

- "1000 Dank für einen Sack voll Erlebnisse und Werkzeug für´s Leben! Luisa schläft seit einer Stunde ... für viel mehr als "war wieder schön" reichten die Kapazitäten nicht mehr..."

- "Von mir auch ein großes Dankeschön. Auch von Jan kam nur "es war toll, ich habe Hunger, kannst du meine Sachen waschen..."

- " ... vielen lieben Dank für dieses tolle Abenteuer ... besonders beeindruckt hat Lisa auch die Begegnung mit Merhawi ... und das, was er aus seinem Leben zu berichten hatte." 

- " Alfred war sehr geschafft und kein Mann der großen Worte. Aber die Schulnote 1+ haben wir ihm entlocken können für den tollen Ausflug trotz lahmer Arme und Zeltaufbau im Starkregen - oder gerade deshalb..??"

 

                                                                                                         (Kirsten Rother-Döhring)