• V.l.n.r.: Mirjam Blumenthal, Bruno Osuch, David Driese, Reinhard Wenzel.
    V.l.n.r.: Mirjam Blumenthal, Bruno Osuch, David Driese, Reinhard Wenzel.
  • Teilnehmer_innen der Gedenkveranstaltung für Fritz Naujoks.
  • David Driese legt den Kranz für Fritz Naujoks vor dessen ehemaligem Wohnhaus ab.
  • Mirjam Blumenthal, Fraktionsvorsitzende der SPD Neukölln
  • Das ehemalige Wohnhaus von Fritz Naujoks in Neukölln.

Widerstandskämpfer, Freidenker, Gewerkschafter.

Es waren und sind Menschen wie Fritz Naujoks die unsere Demokratie gegen Hass, Intoleranz, gegen Diskriminierung und Rassismus verteidigten. Dennoch gehört Friedrich "Fritz" Naujoks zu den eher unbekannten NS-Widerstandskämpfern. An seinem 125. Geburtstag, der sich an diesem 26. Juni jährte, versammeln sich einige Dutzend Menschen vor dem ehemaligen Wohnhaus von Fritz Naujoks, um seiner zu gedenken.

Wer war Fritz Naujoks? Antifaschist, Gewerkschafter, Sozialdemokrat, Freidenker. Und weiter: Ehemann, Vater, Freund, Mensch. Geboren wurde er am 26. Juni 1896 als Sohn eines Färbers in Rixdorf (dem späteren Neukölln). Als Dreijähriger verlor er beide Eltern und wuchs bei einer Großmutter auf. Sein ganzes Leben war geprägt von der Überzeugung, dass "diese Nazis das Ende Deutschlands bedeuten", wie es Naujoks Sohn Kurt einmal ausdrückte. Als Mehrfachfunktionär der Arbeiterbewegung leistete Fritz Naujoks aktiven Widerstand gegen das Nazi-Regime. Seine Frau Margarete und er halfen Berliner Jüdinnen und Juden und riskierten damit ihr Leben.

An diesem Samstag im Juni ist es bereits vormittags sehr heiß. Dennoch stehen die Menschen aufrecht und lauschen schweigend den Redner_innen. Die Bildungsstadträtin von Neukölln, Karin Korte (SPD), ist auch unter ihnen.  Einige der älteren Gäste berichten anschließend, dass auch ihre Eltern im Widerstand gegen die Nazis aktiv gewesen seien. David Driese, Vorstand des HVD Berlin-Brandenburg KdöR, lässt in seiner Auftaktrede das kurze Leben Naujoks Revue passieren und mahnt: "Lassen wir niemals zu, dass die Unverletzlichkeit und Unveräußerlichkeit der Menschenrechte infrage gestellt werden. Lassen wir niemals zu, dass Toleranz, Solidarität, Freiheit und Selbstbestimmung menschenverachtenden Ideologien zum Opfer fallen. Dazu haben wir eine Verpflichtung, auch Fritz Naujoks gegenüber, dem Freidenker und Mitglied des Widerstands, oder wie wir heute sagen würden: Dem politischen Humanisten!"

Mirjam Blumenthal, die SPD-Fraktionsvorsitzende Neuköllns, betont das humanistische, ganzheitliche Handeln Naujoks: "Wenn man die Biografie von Fritzt Naujoks liest, dann erkennt man wie sehr seine ehren-und hauptamtliche Arbeit geprägt war von dem Gedanken, dass es wichtig ist, eine große politische Familie zu haben und diese aktiv mit zu gestalten. Er ist als Gewerkschafter, Sozialdemokrat, Freidenker und SAJler überzeugt davon gewesen, dass die gemeinsamen Ziele dieser Organisationen Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit und Frieden zu schützen und zu bewahren sind...Und genau darum ist es wichtig heute hier zu stehen. Mit Vertreter_innen aus den Organisationen, die heute hier sind, weil es Genossen, Kollegen, Freunde wie ihn gab. Weil er als Vertreter einer Generation dafür gekämpft hat, dass die Ideen dieser Familie und das Zusammenspiel der einzelnen Familienmitglieder das ist, was unsere Stärke eigentlich ausmacht."

Reinhard Wenzel, Leiter des August Bebel Instituts, geht auf die Zeit nach 1945 ein, in der auch sein Institut gegründet wurde. Nach der Gründung der SED im April 1946 als Zusammenschluss von Sozialdemokraten und Kommunisten wurde 1947 das ABI als Bildungsinstitut der SPD gegründet. Seit 1946 war Fritz Naujoks Vorsitzender der Neuköllner SED. Zunächst wurden Sozialdemokraten systematisch integriert, schon im Frühjahr 1948 erkannte Naujoks aber, dass es dort keine gleichberechtigte Einheit gab. So kehrte er zur SPD zurück und wurde noch einmal Stellvertretender Vorsitzender der Neuköllner SPD, bevor der Blockadewinter im Frühjahr 1949 seinem Leben ein Ende setzte.

Wie wichtig antifaschistisches Engagement auch heute ist, hebt David Driese hervor: "Heute, am 125. Geburtstag von Fritz Naujoks, werden erneut Menschen terrorisiert, die sich gegen Rechtsextremismus engagieren. In Neukölln, einst Wiege der weltlichen Schulreform, hält nach einer Anschlagsserie in den Jahren 2011 und 2012 seit 2016 eine neue Serie von rechtsextremen Angriffen an. Der Humanistische Verband Berlin-Brandenburg ist die Nachfolgeorganisation des Freidenkerverbands. Antifaschismus sowie das kompromisslose Engagement für die Würde jedes Menschen und die Solidarität aller sind Teil der DNA des Humanistischen Verbandes Berlin-Brandenburg. Humanismus ist unvereinbar mit nationalistischen, rassistischen oder anderen totalitären Ideologien, in denen individuelle Freiheitsrechte oder soziale Rechte missachtet werden. Demokratie kann nur dann stark sein, wenn alle daran teilhaben und sie mit Leben füllen." Bei der anschließenden Kranzniederlegung vor dem Wohnhaus von Fritz Naujoks in der Kienitzer Straße in Neukölln wird ein wenig von dieser Stärke und Lebendigkeit gemeinsam gelebter Demokratie und Überzeugung spürbar.

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