• "Wir haben in unserem Verband viele Führungskräfte mit Kindern im Kleinkindalter."
    Foto: Konstantin Börner"Wir haben in unserem Verband viele Führungskräfte mit Kindern im Kleinkindalter."

Selbstbestimmt Leben und Arbeiten

Der Humanistische Verband Berlin-Brandenburg wurde von der Zeitschrift Freundin zusammen mit der Arbeitgeber-Bewertungsplattform kununu in der Kategorie "Verbände" auf Platz 3 der familienfreundlichsten Arbeitgeber Deutschlands gewählt. Herzlichen Glückwunsch! Dazu flossen die Bewertungen von vielen Ihrer Mitarbeitenden ein. Was macht den Verband aus Ihrer Sicht so familienfreundlich?

Vielen Dank, über die Auszeichnung freue ich mich sehr! Wir haben natürlich attraktive Angebote wie Kindergeld, mobiles Arbeiten oder flexible Beschäftigungsmodelle und Arbeitszeiten. So können zum Beispiel Mitarbeitende im Kitabereich schon jetzt bei ihrer Einstellung wählen, ob sie in Voll- oder Teilzeit arbeiten möchten.

Als sozialer Träger mit über 70 Einrichtungen sind wir zudem in der privilegierten Lage, per se viele familienfreundliche Angebote machen zu können. Das fängt bei der Bevorzugung bei einem Kitaplatz in einer unserer humanistischen Kindertagesstätten an, geht über Kinder- und Jugendfahrten in der Ferienzeit und reicht bis hin zu Vorsorgeberatung und konkrete Unterstützung bei älteren Angehörigen.

Frauen in Führungspositionen sind bei uns ebenso seit langem Alltag und die Karriere endet auch nicht nach dem ersten Kind. Wir haben in unserem Verband viele Führungskräfte mit Kindern im Kleinkindalter.

Darüber hinaus ist es uns wichtig, keinen verengten Familienbegriff zu haben: unter dem Dach unseres Verbandes gibt es Raum für unterschiedliche Lebens- und Familiensituationen, dazu gehören auch Regenbogen- und Eineltern-Familien.

Wie definiert der Humanistische Verband Berlin-Brandenburg konkret Familienfreundlichkeit?

Als Humanist_innen ist uns die Selbstbestimmung ein hohes Gut. Das soll sich auch in unserer Haltung als Arbeitgeber zeigen: Das Leben besteht nicht nur aus Beruf. Unser Ziel ist es daher, Rahmenbedingungen zu schaffen, in der unsere Mitarbeitenden Privat- und Arbeitsleben gut in Einklang bringen können.

Familienfreundliche Praxis verstehen wir zudem als die Berücksichtigung aller Lebensphasen und -situationen. Sowohl Alleinerziehende mit kleinen Kindern, Mitarbeitende, die sich neben dem Job weiterbilden möchten wie auch Kolleg_innen mit zu pflegenden Angehörigen sollen davon profitieren. Da jede Situation einzigartig ist, suchen wir auch immer individuelle Lösungen für und mit unseren Mitarbeitenden.

"Als Humanist_innen ist uns die Selbstbestimmung ein hohes Gut", sagt Vorstandsvorsitzende Katrin Raczynski über Familienfreundlichkeit.
Foto: Die Hoffotografen GmbH "Als Humanist_innen ist uns die Selbstbestimmung ein hohes Gut", sagt Vorstandsvorsitzende Katrin Raczynski über Familienfreundlichkeit.

Haben Sie Beispiele für diese gelebte Familienfreundlichkeit?

Wenn es zum Beispiel Pflegefälle in der Familie gibt, dann schauen wir zunächst, ob es möglich ist, teilweise von zu Hause aus zu arbeiten und die Arbeitszeiten flexibel zu gestalten. Auch in unseren ambulanten Hospizen können unsere Mitarbeiter_inn selbst bestimmen, auf welche Zeiten sie ihre Hausbesuche legen. Vertrauen in Mitarbeiter_innen statt Kontrolle und Präsenzkultur sind hier wichtige Stichpunkte.

Allerdings sind flexible Arbeitszeiten im Sozial-, Kita- und Pflegebereich natürlich nicht immer machbar. Bei einem Großteil unserer Projekte ist Präsenz erforderlich und die Kolleg_innen arbeiten in festen Tages- und Nachtschichten. Hier versuchen wir im Rahmen des Machbaren auf die Bedürfnisse unserer Mitarbeitenden einzugehen.

Unsere Führungskräfte bleiben fortlaufend im Gespräch mit unseren Kolleg_innen und erfahren oft auch von privaten Belastungen ihrer Mitarbeitenden. So können sie aktive Präventionsfürsorge und Unterstützung leisten.

Wie lief es während des Lockdowns im Frühjahr? Welche familienfreundlichen Maßnahmen haben hier gegriffen?

KR: Uns war sofort klar, dass besonders Kolleg_innen mit kleinen Kindern vor einer enormen Mehrbelastung stehen würden. Wenn Kinder nicht in Schule und Kita gehen können und auf einmal den ganzen Tag zuhause sind, ist es schlicht nicht möglich, so zu arbeiten wie bisher. Für uns als Arbeitgeber war es daher wichtig, unseren Mitarbeitenden größtmögliche Sicherheit zu geben und zu vermitteln, dass niemand negative Konsequenzen fürchten muss.

Mich persönlich hat es besonders gefreut, dass diese Solidarität auch in den Teams gelebt wurde und ein großes Verständnis für die private Situation der jeweils anderen bestand. In den Kitas haben die Kolleg_innen meist gemeinsam entschieden, wer von den pädagogischen Fachkräften den Betrieb am Laufen hält und in die Notbetreuung geht und wer zuhause bei den Kindern bleibt. Hier zeigte sich: Familienfreundlichkeit ist kein reines Führungsthema, sondern gelebte Kollegialität.

Was erhoffen Sie sich durch die Auszeichnung?

Ich hoffe, dass die Auszeichnung öffentliche Sichtbarkeit auf ein Thema lenkt, das schon lange in unserer Organisation gelebt wird. Und ich freue mich, wenn es die eine oder den anderen davon überzeugt, sich bei uns zu bewerben. Denn wir sind nicht nur ein familienfreundlicher Arbeitgeber, sondern bieten auch immer spannende Stellen in tollen Projekten!

Vielen Dank für das Gespräch!

 

Das Interview führte Stefanie Determeyer, Referentin für Personalmarketing im Humanistischen Verband Berlin-Brandenburg.

Kontakt

Bild des Benutzers Stefanie Determeyer
Stefanie Determeyer
Referentin Personalmarketing

Links zum Thema