Es wird Zeit…

Bekky Bekks | unsplash.com
Bekky Bekks | unsplash.com

Seit einigen Jahren nehmen wir an zwei Veranstaltungen aus dem reichhaltigen Angebot der Akademie teil: dem humanistischen Lesekreis, sehr gut vorbereitet und moderiert durch Dr. Astrid Hackel und Dr. Ralf Schöppner, sowie dem humanistischen Filmclub, ebenfalls sehr gut vorbereitet und moderiert durch Katharina Schönrich und Maximilian Brust, auch gut organisiert von Jenna Dombrowski. Beide Formate finden regelmäßig einmal im Monat im Haus des Humanismus statt und sind stets offen für Interessierte und neue Mitstreiter*innen. Wir empfinden diese Angebote als ein anregendes Geschenk und möchten dazu beitragen, sie bekannter zu machen.

Beide Formate setzen Themenschwerpunkte, auf die wir kurz eingehen möchten.

Im Lesekreis beschäftigten wir uns aktuell mit unterschiedlichen Texten zum Thema LIEBE, die vorbereitend gelesen und bei unseren Zusammenkünften gemeinsam besprochen und durchaus kontrovers diskutiert werden. Uns überraschte CHARLES FOURIER, der um 1800 herum für eine totale „Freiheit in der Liebe“ plädierte, dies in großen Gemeinschaften. Man möge sich doch bitte ausprobieren, so der Sozialutopist, bevor man sich für eine gewisse Zeit binde. Sehr kritisch beäugte er die Institution Ehe, die Lern- und Arbeitschancen für Frauen massiv einschränken würde, und trat ganz allgemein als Feminist in Erscheinung. Wie steht´s nun um Liebe und Freiheit? Dazu einen Sprung ins Jahr 2021, dem Erscheinungsjahr der 2. Auflage des Buches „Warum Liebe endet“ von EVA ILLOUZ. Die Entwicklung liebevoller Beziehungen sieht die Soziologin u.a. gefährdet durch die zunehmende Bedeutung von Dating-Apps. Die darüber erfahrbare Freiheit der schnellen Wahl bzw. Abwahl von Partner*innen verhindere die für Liebe so wichtige Langsamkeit und Sinnlichkeit. Dass sie unter bestimmten Voraussetzungen dennoch entstehen kann, beschreibt bell hooks in ihrem Buch „Alles über Liebe“ (4. Aufl. 2022), in dem sie auch den von uns gelesenen Psychoanalytiker und Philosoph ERICH FROMM zitiert (Die Kunst des Liebens“, 1956). Differenziert und unbedingt optimistisch sensibilisiert sie unser Bewusstsein für Fähigkeiten, die über romantische Gefühle hinausreichend helfen können, Liebe stabiler, konstruktiver zu leben. bell hooks, Ende 2021 verstorben, war eine schwarze, US-amerikanische Literaturwissenschaftlerin und Autorin.

Wer mitdiskutieren möchte, sei herzlich eingeladen: Wir treffen uns in der Regel jeden letzten Dienstag im Monat im Haus des Humanismus.

Zum Filmclub. Zuletzt haben wir uns mit „Match Point“ von Woody Allen befasst, ein, wie wir im Gespräch entdeckten, tiefgründiger, eher pessimistischer Film, auch zum Thema Liebe. Da nutzt ein junger, attraktiver, irischer Tennislehrer die ihm gebotenen beruflichen und privaten Chancen äußerst gewandt, um in eine wohlsituierte Familie der britischen Upper Class einzusteigen. Er hat den ihm zugedachten beruflichen Erfolg und das Töchterchen des Hauses klatscht dazu in die Hände. Sie will und kriegt ihn. Parallel dazu lässt er sich in ein Verhältnis der Begierde ziehen durch eine glücklose, sehr attraktive Schauspielerin, toll gespielt von SCARLETT JOHANSSON. Das passt auf Dauer nicht. Die entstandene Spannung wächst stetig bis zum Knall und da gibt es dann zum Ende den überraschend glücklichen Zufall. Bringt er Glück?

Am 5. Oktober beschäftigen wir uns mit einem Film von CLAUDE CHABROL: „Biester“. Er hat ähnliche, aber anders zusammengefügte Komponenten. Wir sind neugierig. Sie auch?

Eva-Maria und Emil Kammerer

 

Anmeldung und weitere Infos unter info@humanistische-akademie-bb.de

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