"Pubertät oder: Wie umarme ich einen Kaktus?" 150 Gäste waren am 22. Sept. beim Vortrag mit Eva-Maria Kaes dabei

Jeremy Thomas
Jeremy Thomas

Wer selber Kinder hat bzw. selbst einmal Teenager war, weiß, dass die Pubertät eine schwierige Phase sein kann – nicht nur für die Heranwachsenden, sondern auch für die Eltern. Die Pubertät birgt Konfliktpotenzial, das die Beziehung zum eigenen Kind auf die Probe stellen kann. 

Eva-Maria Kaes ist systemische Familientherapeutin, Supervisorin, Trainerin in der Elternbildung und Familiencoachin. Vor rund 150 Eltern und Interessierten hat sie am vergangenen Mittwochabend im Online-Format über die Zeit der Pubertät gesprochen, über die Veränderungen im Gehirn und der Hormone, über das Austesten der eigenen Grenzen, unaufgeräumte Zimmer, durchzechte bzw. durchgezockte Nächte und die vielen Schilder an den Zimmertüren, die Eltern zu verstehen geben: "Lass mich in Ruhe!"

Mit viel Humor, anschaulich aufbereiteten Erkenntnissen und Zahlen aus der Wissenschaft, Alltagsbeispielen aus der Schule, dem Freund_innenkreis, Zusammenleben daheim und potenziellen Konfliktsituationen hat Eva-Maria Kaes an diesem Abend versucht, das Verständnis für diese Phase der Erwachsenwerdens zu stärken, an einigen Stellen Übersetzungsarbeit zu leisten und Eltern zu beruhigen, die das Gefühl haben, dass die Kommunikation in eine Sackgasse geraten ist und sich fragen, was sie vielleicht falsch machen. So sei der Satz "Lass mich in Ruhe!" auch ein Ausdruck für "Ich brauche Abstand!" und Streit zu Hause auch ein Zeichen des Vertrauens der Jugendlichen darin, dass die familiäre Beziehung nicht zerbricht, wenn Grenzen einmal ausgetestet werden. 

Eva-Maria Kaes Kernbotschaft an die Eltern lautete: die Kinder daheim ernst, aber nicht immer wörtlich zu nehmen und sich als Sparring Partner zu begreifen, nicht als Gegner. Am wichtigsten sei eine wohlwollende Haltung zueinander und zu sich selbst, ohne sich dabei alles gefallen zu lassen. Das Vertrauen sei die wichtigste Basis in dieser Zeit und dürfe nicht aufs Spiel gesetzt werden, auch, wenn es mal Streit gebe. 

Im Anschluss an den Vortrag haben sich die Eltern mit eigenen Fragen und Beispielen aus ihrem Alltag zu Wort gemeldet: Streit um den Abwasch, absinkende Schulnoten, Rückzug vom Familienleben u.a. Im Vordergrund standen dabei immer wieder die grundsätzlichen Fragen, wie Kommunikation (besser) gelingen kann, wie man Konflikten abseits von "Bestrafung" begegnen, und auch, wie man als Elternteil mit dem eigenen Frust umgehen und Ruhe bewahren kann. Für beide Situationen zeigte die Referentin an diesem Abend viel Verständnis und hat sich Zeit genommen, um auf alle Fragen mit der nötigen Ruhe und ganz individuell einzugehen. 

Eva-Maria Kaes hat für ihren Vortrag viele positive Rückmeldungen von unseren Gästen bekommen, die ihn u.a. als "unterstützend und inspirierend" empfunden haben und sich für die Hinweise und praktische Tipps bedankt haben. 

Nach diesem gelungenen und schönen Abend freuen wir uns schon auf den nächsten Vortrag zum Thema "Pubertät oder: Wie umarme ich einen Kaktus?" im Jahr 2022 (Termine werden noch bekanntgegeben).

Darüber hinaus wird Eva-Maria Kaes noch dieses Jahr einen Vortrag zu einem ganz besonderen Bereich der Pubertät halten, der Sexualität. Wir laden Sie herzlich ein zu "Klartext: Reden über Sex" am 10. November um 18 Uhr auf Zoom. Anmeldung an info@humanistische-akademie-bb.de

"Pubertät oder: Wie umarme ich einen Kaktus?" und "Klartext: Reden über Sex" sind Kooperationen der Humanistischen Akademie Berlin-Brandenburg, des Humanistischen Verbandes Berlin-Brandenburg, seiner sechs Brandenburger Regionalverbände und der JugendFEIER Berlin-Brandenburg