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Rückblick Part II: Unsere Haltung für Berlin

veröffentlicht: 6. November 2026, 15:11 Uhr

Am 22. Juni 2026 fand der zweite Workshop „Gemeinsam für Berlin – unsere Haltung in der Kinder- und Jugendhospizversorgung“ statt. Die Ergebnisse präsentieren wir Ihnen hier.

Das zweite trägerübergreifende Treffen zur gemeinsamen Haltung in der Kinder- und Jugendhospizarbeit hat stattgefunden. Damit wurde der 2024 begonnene Prozess fortgeführt, in dem Eltern, betroffene junge Menschen sowie haupt- und ehrenamtliche Mitarbeitende der Berliner Kinder- und Jugendhospizangebote gemeinsam die Grundsätze der Kinder- und Jugendhospizarbeit reflektieren und für die Praxis weiterentwickeln.

Die zwölf Grundsätze der Kinder- und Jugendhospizarbeit bilden weiterhin eine wichtige Orientierung für die Begleitung von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit lebensverkürzenden Erkrankungen sowie ihrer Familien. Im Mittelpunkt des diesjährigen Austauschs stand die Frage, wie diese Haltung im Alltag gelebt werden kann und welche Rahmenbedingungen notwendig sind, um den Bedürfnissen der Familien gerecht zu werden.

In Arbeitsgruppen wurden die Grundsätze 2, 4, 5 und 11 bearbeitet. Die Teilnehmenden brachten dabei ihre unterschiedlichen Perspektiven aus Ehrenamt, Hauptamt, Koordination, Pflege sowie persönlicher Erfahrung ein. Der offene Austausch ermöglichte es, Erfahrungen zu teilen, unterschiedliche Sichtweisen sichtbar zu machen und gemeinsam Entwicklungsbedarfe zu identifizieren.

In Grundsatz zwei war das zentrale Thema der Diskussionen die Bedeutung von Individualität und Selbstbestimmung. Die Teilnehmenden waren sich einig, dass die Bedürfnisse aller Familienmitglieder anerkannt und respektiert werden müssen. Auch dann, wenn sich diese von den eigenen Vorstellungen unterscheiden. Gleichzeitig wurde deutlich, dass professionelle Haltung nicht bedeutet, frei von eigenen Werten zu sein. Vielmehr erfordert sie die kontinuierliche Reflexion des eigenen Handelns sowie die Bereitschaft, persönliche Bewertungen zugunsten einer wertschätzenden Begleitung zurückzustellen.

Einen hohen Stellenwert nahmen Fragen der Reflexion und Selbstfürsorge ein. In allen Arbeitsgruppen wurde die Bedeutung von Austausch, Supervision und kollegialer Beratung hervorgehoben. Gleichzeitig entstand die Erkenntnis, dass bereits viele Reflexions- und Unterstützungsangebote bestehen, deren Nutzung jedoch unterschiedlich ausgeprägt ist. Dies führte zu einer vertieften Auseinandersetzung mit der Frage, wie eine lebendige Feedback- und Reflexionskultur nachhaltig gestärkt werden kann.

Die Aufmerksamkeit im Grundsatz vier galt den Geschwistern lebensverkürzend erkrankter Kinder. Die Diskussionen machten deutlich, wie wichtig ein möglichst früher Kontakt zu Geschwistern sowie alters- und entwicklungsentsprechende Angebote sind. Gleichzeitig wurde der Bedarf an ausreichenden personellen, zeitlichen und räumlichen Ressourcen hervorgehoben, um Geschwister langfristig und bedarfsgerecht begleiten zu können.

Im Grundsatz fünf wurde der Umgang mit den Themen Sterben, Tod und Trauer intensiv diskutiert. Die Teilnehmenden betonten, dass diese Themen sensibel, situationsbezogen und orientiert an den Bedürfnissen der Familien aufgegriffen werden sollten. Gesprächsbereitschaft, achtsame Wahrnehmung und ein respektvoller Umgang mit individuellen Grenzen wurden dabei als wesentliche Grundlagen benannt. Zugleich wurde deutlich, wie wichtig es ist, die Vielfalt familiärer Perspektiven anzuerkennen und unterschiedliche Wege des Umgangs mit Krankheit, Abschied und Trauer wertungsfrei zu begleiten.

Darüber hinaus wurde, im Grundsatz elf die Rolle der Kinder- und Jugendhospizarbeit in der Öffentlichkeit diskutiert. Die Teilnehmenden betonten die Verantwortung, die Themen Krankheit, Sterben, Tod und Trauer sichtbar zu machen und gesellschaftliche Berührungsängste abzubauen. Dabei wurde deutlich, dass Ehrenamtliche, Angehörige und Betroffene wichtige Botschafter*innen der Kinder- und Jugendhospizarbeit sind und stärker in öffentlichkeitswirksame Prozesse einbezogen werden sollten.

Zentrale Ergebnisse:

Im Mittelpunkt des trägerübergreifenden Austauschs standen vier Grundsätze der Kinder- und Jugendhospizarbeit. Dabei wurden folgende zentrale Erkenntnisse herausgearbeitet:

  • Individualität und Selbstbestimmung: Die Bedürfnisse aller Familienmitglieder respektieren und die eigene professionelle Haltung regelmäßig reflektieren.
  • Geschwisterbegleitung: Geschwister frühzeitig einbeziehen und altersgerechte Angebote sowie ausreichende Ressourcen schaffen.
  • Umgang mit Sterben, Tod und Trauer: Familien sensibel, bedürfnisorientiert und wertungsfrei begleiten.
  • Gesellschaftliche Sichtbarkeit: Berührungsängste abbauen und Ehrenamtliche, Angehörige und Familien stärker als Botschafter*innen einbeziehen.

Zwei gemeinsame Entwicklungsvorhaben 2026–2028

1. Feedback- und Reflexionskultur stärken: Entwicklung eines trägerübergreifenden Qualitätszirkels und einer gemeinsamen Orientierung für professionelles Feedback und Reflexion.

2. Neue Kommunikations- und Aktionsformen entwickeln: Kreative und niedrigschwellige Formate schaffen, um Kinder- und Jugendhospizarbeit gesellschaftlich sichtbarer zu machen.

Ausblick

Die beiden Vorhaben sollen in der Fachgruppe Kinder, Jugendliche und ihre Familien weiterentwickelt werden. Die trägerübergreifende Haltungswerkstatt wird als Instrument der gemeinsamen Qualitätsentwicklung fortgeführt. Für 2028 ist die Auseinandersetzung mit den verbleibenden vier Grundsätzen geplant.

Die Arbeitsgruppe Qualität der Berliner Kinder- und Jugendhospizarbeit empfiehlt dieses Format als regelmäßigen Workshop im Rahmen der Qualitätsentwicklung anzubieten. Der Austausch zwischen Eltern, betroffenen jungen Menschen, Ehrenamtlichen und Fachkräften wird dadurch gefördert, wodurch gemeinsam an Lösungen für die bestmögliche Unterstützung für betroffene Familien gearbeitet werden kann.

Wir danken allen Teilnehmer*innen für ihr Engagement und ihre wertvollen Beiträge. Ihr Input ist entscheidend für die Weiterentwicklung der Kinder- und Jugendhospizversorgung in Berlin. Auf die nächsten Schritte freuen wir uns und vor allem, die gemeinsam erarbeiteten Ideen in die Tat umzusetzen.

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