Auf einem Hof stehen zahlreiche Menschen in Gruppen und um Stände und unterhalten sich.

Belebt und heiter ging es auf dem Welthumanist*innentag 2026 zu.

Meldung

Rückblick: Das war der Welthumanist*innentag 2026

veröffentlicht: 17. Juli 2026, 15:07 Uhr aktualisiert: 17. Juli 2026, 14:07 Uhr

120 Gäste haben am 21. Juni den Welthumanist*innentag 2026 mit einem Familienfest auf dem Humanistischen Bildungscampus Grabbealle gefeiert. 

Rund 120 Gäste sind der Einladung gefolgt, um am 21. Juni gemeinsam den Welthumanist*innentag zu feiern. Hierzu hatte der Humanistische Verband Berlin-Brandenburg zu einem Familienfest auf dem Humanistischen Bildungscampus Grabbeallee in Berlin-Pankow eingeladen. Das vielfältige Programm richtete sich an unterschiedliche Zielgruppen. Familien, Nachbar*innen, Ehrenamtliche, Mitglieder und viele Interessierte nutzten die Gelegenheit, den Campus kennenzulernen, miteinander ins Gespräch zu kommen und einen besonderen Sommertag zu verbringen. Auf dem Bildungscampus herrschte eine lebendige, offene Atmosphäre.

Es gab zahlreiche Mitmach- und Informationsangebote für Groß und Klein. Kinder konnten sich beim Spielen, Basteln und Schminken ausprobieren. Erwachsene konnten bei Vorträgen, Gesprächen und Workshops neue Perspektiven auf humanistische Themen gewinnen. Besonders die Themen Bildung, gesellschaftlicher Zusammenhalt und die Frage, wie Humanismus heute gelebt werden kann, standen im Mittelpunkt vieler Begegnungen.

Gemeinsam stärker als jedes Unwetter

Kurz nach dem Start stellte das Wetter alle Beteiligten vor eine ungeplante Herausforderung: Ein kräftiger Regenschauer verhinderte die offizielle Eröffnung. Die Anwesenden zeigten aber, wie viel Gemeinschaftsgeist auf dem Campus zusammengekommen war. Gemeinsam wurden Pavillons festgehalten, das Catering kurzerhand ins Trockene gebracht und die Regenpause zusammen überstanden. Als schließlich die Wolken verzogen waren und die Sonne wieder hervorkam, waren viele Hände zur Stelle, um alles wieder aufzubauen.

Genau solche Momente zeigen, worum es im Humanismus geht: füreinander da sein, Verantwortung übernehmen und gemeinsam Lösungen finden, wenn etwas nicht nach Plan läuft. Der Zusammenhalt an diesem Tag war beeindruckend!

Da die offizielle Eröffnung wetterbedingt ausfallen musste, möchten wir die Grußworte, die eigentlich vor Ort gehalten werden sollten, hier noch einmal zugänglich machen. Die Beiträge von Dr. Manuela Schmidt, Präsidentin des Humanistischen Verbandes Berlin-Brandenburg, und Serkan Wels, Mitglied des Arbeitskreises queer*human, können Sie unten nachlesen.

Wir bedanken uns herzlich bei allen Gästen, Helfer*innen, Mitwirkenden und Unterstützer*innen. Sie haben den Welthumanist*innentag 2026 zu einem lebendigen, offenen und warmherzigen Fest gemacht! Trotz oder vielleicht gerade wegen des Regens wurde der Welthumanist*innentag 2026 zu einem Tag, der vielen in guter Erinnerung bleiben wird.

Impressionen vom Welthumanist*innentag 2026

Grußworte auf dem Welthumanist*innentag 2026

Liebe Frau Bezirksbürgermeisterin Dr. Koch, lieber Prof. Dr. Nida-Rümelin,
liebe Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Zivilgesellschaft und Bildung,
liebe Freundinnen und Freunde des Humanismus,
liebe Kinder, Familien und Gäste, liebe Mitstreiter*innen unseres Verbandes,

herzlich willkommen zum Welthumanist*innentag 2026 hier auf dem Humanistischen Bildungscampus in Pankow.

Ich freue mich sehr, dass Sie heute mit uns feiern, um so mehr als uns das Wetter heute zu sehr spontanem Handeln zwingt.

Der Welthumanist*innentag ist für viele Menschen ein besonderer Tag. Er erinnert daran, dass es weltweit Millionen Menschen gibt, die ihr Leben an humanistischen Werten orientieren: an Vernunft und Mitgefühl, an Freiheit und Verantwortung, an der Überzeugung, dass wir Menschen gemeinsam die Welt human gestalten können und müssen.

Humanismus beginnt dabei nicht in philosophischen Büchern und endet nicht in politischen Debatten. Er zeigt sich vor allem im Alltag: im respektvollen Umgang miteinander, im Interesse am anderen Menschen, in der Bereitschaft zu helfen, Verantwortung zu übernehmen und die Würde jedes Menschen zu achten.

Deshalb freue ich mich besonders, dass wir diesen Tag hier auf unserem Bildungscampus feiern. Dieser Ort steht exemplarisch für das, was Humanismus praktisch bedeutet. Hier wird gelernt, gefragt, diskutiert, geforscht, gespielt und begleitet. Hier begegnen sich Menschen unterschiedlichen Alters, unterschiedlicher Herkunft und unterschiedlicher Lebenswege.

Humanismus versteht Bildung nicht nur als Vermittlung von Wissen. Bildung bedeutet für uns auch, Menschen dabei zu unterstützen, selbstständig zu denken, Verantwortung zu übernehmen und ihren eigenen Weg zu finden. Von der frühen Kindheit über Schule und Hochschule bis hin zu sozialen und kulturellen Angeboten wollen wir Räume schaffen, in denen Menschen wachsen können.

Gerade in einer Zeit, in der gesellschaftliche Debatten oft von Polarisierung, Unsicherheit und Misstrauen geprägt sind, erscheint mir diese Aufgabe wichtiger denn je. Demokratie lebt nicht allein von Institutionen. Sie lebt von den Menschen, die dort arbeiten oder sich ehrenamtlich engagieren, von Menschen, die bereit sind zuzuhören, unterschiedliche Perspektiven auszuhalten und gemeinsam nach guten Lösungen zu suchen.

Es ist deshalb kein Zufall, dass unser heutiges Fest zugleich den Auftakt zur Woche der Demokratie bildet. Demokratie und Humanismus gehören zusammen. Beide setzen auf die Fähigkeit des Menschen, Konflikte friedlich zu lösen, Verantwortung füreinander zu übernehmen und eine offene Gesellschaft zu gestalten.

Heute wollen wir aber nicht nur nachdenken, sondern auch feiern.

Wir laden sie ein, miteinander ins Gespräch zu kommen, Neues zu entdecken, Musik zu hören, zu tanzen, zu philosophieren, zu diskutieren, zu spielen und vor allem zu genießen. Wir wollen zeigen, dass Humanismus als Weltanschauung nicht nur Theorie ist, sondern eine lebendige Praxis des Miteinanders.

Mein herzlicher Dank gilt allen Mitarbeitenden, Ehrenamtlichen, Künstlerinnen und Künstlern, Referierenden und Unterstützenden, die diesen Tag möglich gemacht haben. Und ich danke Ihnen allen, dass Sie heute hier sind und diesen Ort mit Leben füllen.

Lassen Sie uns diesen Welthumanist*innentag nutzen, um Gemeinschaft zu erleben, neue Begegnungen zu ermöglichen und uns gegenseitig daran zu erinnern, was uns verbindet.

Doch bevor wir nun gemeinsam diesen Tag genießen, möchte ich noch einen Blick nach vorn werfen.

Der heutige Welthumanist*innentag bildet zugleich den Auftakt unseres Demokratiesommers 2026: Bereits in der kommenden Woche, vom 24. bis zum 26. Juni laden wir gemeinsam mit der Humanistischen Hochschule Berlin zur internationalen Tagung „Demokratie in der (Dauer-)Krise?" ein. Über 150 Gäste pro Tag haben sich bereits angemeldet, um mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie Interessierten aus vielen Bereichen über historische Ursprünge, humanistische Grundlagen und aktuelle Herausforderungen demokratischer Gesellschaften ins Gespräch zu kommen. Auch für Jugendliche wird es hier auf dem Campus eigene Angebote geben.

Am 10. September setzen wir den Dialog fort: Mit unserem Format „Sprechen & Zuhören" wollen wir Räume schaffen, in denen Menschen einander begegnen, unterschiedliche Perspektiven kennenlernen und erleben können, wie Demokratie auch im Alltag gelebt werden kann.

In diesem Jahr gibt es noch einen weiteren Grund zur Freude: Die Humanismus Stiftung Berlin feiert ihr 20-jähriges Bestehen. Gemeinsam schreiben die Humanismus Stiftung Berlin und der Humanistische Verband Berlin-Brandenburg auch in diesem Jahr wieder den Humanismus-Preis für Menschenrechte aus — als sichtbares Zeichen für Humanität, Freiheit und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Die Preisverleihung und das Stiftungsjubiläum werden wir am Tag der Menschenrechte, am 10. Dezember in einem feierlichen Rahmen begehen und freuen uns auf Ihre zahlreiche Teilnahme.

Nun wünsche ich Ihnen allen einen inspirierenden Welthumanist*innentag, viele schöne Begegnungen und einen wunderbaren Nachmittag auf unserem Humanistischen Bildungscampus, freue mich jedoch zuvor auf die Worte von Serkan Wels vom „queer*human“ Arbeitskreis unseres humanistischen Verbandes Berlin-Brandenburg.

Vielen Dank und herzlich willkommen!

Liebe Freund*innen des Humanismus, 

heute, an unserem inoffiziellen Feiertag, dem Welthumanist*innentag, lassen wir traditionell unseren Regenbogen strahlen. Nach Orten wie die Geschäftsstelle in der Wallstraße, das „Haus des HUMANISMUS“ in der Potsdamer Straße, die Bühne im „Tipi am Kanzleramt“ nun auf dem Campus in der Grabbeallee. Auch an vielen unserer 26 Kindertagesstätten ist die Regenbogenflagge, ein Zeichen für Liebe, Frieden und Vielfalt zu sehen. Wir Humanist*innen zeigen damit Haltung und bieten Regenbogenfamilien und queeren Kolleg*innen einen Safe Space. 

Doch der Regenbogen ist in Gefahr: Immer wieder werden unsere Flaggen zerstört. Und immer wieder werden unsere Kita-Kolleg*innen gefragt, warum die Flagge hier hängen muss. Die Zeiten der allgemeinen Akzeptanz haben sich geändert – der Ton wird wieder rauer. Man möchte uns einfach wieder unsichtbar machen.

Seit Jahren nehmen Straftaten gegen queere Menschen stark zu. Der Bereich der Hasskriminalität gegen die LGBTIQ*-Community hat sich allein in Deutschland seit 2010 fast verzehntfach. Und die Dunkelziffer wird weit höher sein, denn nicht jede queere Person zeigt eine Straftat an – Gründe dafür sind meist nicht ausreichend geschulte Polizist*innen und auch die Fragebögen verschiedener Institutionen wie „Maneo“ sind zu lang und Anzeigen werden dann abgebrochen. 

Die Politik tut dabei noch ihr Übriges: Diskussionen darüber, ob und wann eine Regenbogenflagge gehisst wird, der Bundestag ist ja schließlich kein Zirkuszelt, und die ständigen Entgleisungen der AfD zeigen den Menschen: Es ist wieder „normal“, queerphobe Kommentare wahllos herumzuschleudern. Auch in den Kommentarspalten der sozialen Medien. Und was nach so manchen CSDs geschieht, hat hoffentlich jede*r von euch mitbekommen: Nazis, anders kann man sie leider nicht mehr nennen, marschieren geduldet hinter den Demonstrationen hinterher. Wie zum Beispiel beim CSD Eberswalde am letzten Wochenende. 50 Personen grölten ihre kruden Meinungen hinter den queeren und heterosexuellen Demonstrierenden hinterher. Zum Glück ist nicht schlimmeres passiert. Anderswo wurden Demonstrierende schon krankenhausreif geprügelt – nur, weil sie sichtbar eine Regenbogenflagge mit sich trugen. Und in Dresden musste ein Gericht entscheiden, ob das dortige Straßenfest noch politisch ist – dort werden nämlich auch gebratene Lebensmittel verkauft. Und ja, auch ein queerfreundliches Straßenfest ist politisch. 

Aber es gibt auch positive Nachrichten und damit möchte ich meinen Redebeitrag auch beenden: Die Entlassungen von Trans*-Menschen aus dem US-Militär ist illegal – so entschied ein Gericht. Thailand hat nun auch die gleichgeschlechtliche Ehe eingeführt. Und es gibt immer mehr queerthematische Serien und Filme um queeren Teens und Erwachsenen zu zeigen: Du bist nicht allein. Und allen anderen zu zeigen: Wir sind normal und wir haben die gleichen herausfordernden Alltagsprobleme wir ihr. 

Abschließend möchte ich euch um einen Gefallen bitten: Geht mit uns auf die Straße! Kämpft an unserer Seite! Seid nicht still, wenn ihr Queerphobie erlebt!

Denn: Wer schweigt stimmt zu! 

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