Foto: Juhu Berlin

Meldung

Zeitzeug*innengespräch: Erinnerung und Zukunft

veröffentlicht: 27. April 2026, 15:04 Uhr

Die Inklusionsgruppe der JuHus Berlin lud Freitag, den 17. April 2026, zu einem bewegenden Zeitzeug*innengespräch mit der 97-jährigen Ruth Winkelmann ein und ermöglichte einen eindrucksvollen Einblick in gelebte Geschichte und ihre Bedeutung für die Zukunft. 

 

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Im Folgenden berichtet Fine, Mitglied der Inklusionsgruppe und Mitorganisatorin der Veranstaltung, aus ihrer persönlichen Perspektive von diesem besonderen Abend. In ihrem Erfahrungsbericht schildert sie die Atmosphäre, die Begegnung mit der Zeitzeugin und die Eindrücke, die sie und die Teilnehmenden nachhaltig bewegt haben.

Am Freitag, den 17.04.2026, haben wir uns in der Nachbarschaftsetage im Wedding getroffen, um die Erinnerungskultur an den Holocaust lebendig zu halten. Zu Gast war Ruth Winkelmann, eine Shoah-Überlebende, mit der wir ein eindrucksvolles Zeitzeug*innengespräch führen durften. Mit 97 Jahren erzählte sie voller Energie und Klarheit aus ihrem Leben. Das Publikum hörte aufmerksam, konzentriert und respektvoll zu und stellte einfühlsame Fragen. Im Raum herrschte eine besondere Stille, so intensiv, dass man eine Stecknadel hätte fallen hören können. Mimik und Gestik von Ruth Winkelmann verliehen ihren Worten eine Tiefe, die viele Zuhörende unmittelbar berührte.

Mit über 50 Teilnehmenden war die Veranstaltung nahezu ausgebucht, und es waren Menschen aus allen Altersgruppen vertreten.

Auf die Frage: „Welche positive Erinnerung haben Sie aus dieser Zeit?“ antwortete sie: „Ich hatte Geburtstag und hörte jemanden pfeifen, so laut, dass ich direkt erkannte, dass es mein Vater war. Er hatte sich morgens um 4 Uhr auf sein Fahrrad gesetzt, nur um mir zu gratulieren.“ Diese Erinnerung erzählte sie mit großen, wachen, leuchtenden Augen.

Sie gab uns Anwesenden noch etwas mit auf den Weg:

„Seid neugierig auf die Welt und auf das Wissen. Eine gesunde Neugier ist ganz wichtig, sonst kommt man nicht weiter.“ – Ruth Winkelmann

Dieses eindrucksvolle Erlebnis macht deutlich, wie wichtig persönliche Begegnungen für das Verständnis von Geschichte sind. Die Erzählungen von Ruth Winkelmann haben nicht nur Wissen vermittelt, sondern vor allem Emotionen geweckt und zum Nachdenken angeregt. Viele Teilnehmende nahmen neue Perspektiven und eine vertiefte Auseinandersetzung mit der Vergangenheit mit nach Hause. Besonders erfreulich ist, dass Vertreter*innen der Lebenshilfe das Gespräch begleitet haben und daraus einen Podcast gestalten werden. So können die Erinnerungen und Botschaften von Ruth Winkelmann auch über die Veranstaltung hinaus zugänglich gemacht werden und ein noch breiteres Publikum erreichen.

Solche Gespräche sind von großer Bedeutung, weil sie Geschichte lebendig halten und Raum für Austausch schaffen. Sie fördern Empathie, stärken das Bewusstsein für Vielfalt und Ausgrenzung und leisten damit einen wichtigen Beitrag zu Inklusion und einer lebendigen Demokratie.

 

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