Erster Gesundheitsbericht zur medizinischen Versorgung obdachloser Menschen in Berlin

Der Gesundheitsbericht wird am 21. März von 9:00 bis 10:30 Uhr beim Kongress Armut und Gesundheit im Rahmen des Workshops 128 (Medizinische Versorgung wohnungsloser Menschen in Berlin) von den beiden Sprechern der Runden Tisches Kai-Gerrit Venske (Caritasverband für das Erzbistum Berlin e.V.) und Ekkehard Hayner (GEBEWO pro gGmbH, Berlin) vorgestellt. Der Kongress Armut und Gesundheit findet in der Technischen Universität Berlin statt. Der Gesundheitsbericht kann auf der Website www.obdachlosigkeit-macht-krank.de heruntergeladen werden.

Fachleute gehen heute von schätzungsweise 4000 - 6000 Obdachlosen in Berlin aus. Die meisten obdachlosen Menschen in Berlin werden durch die Regelangebote der medizinischen Versorgung nicht erfasst. In Berlin entstand deshalb in der Vergangenheit ein Hilfenetz für Obdachlose, die keine Krankenversicherung haben oder nicht wartezimmerfähig sind. Einige dieser Projekte werden durch den Senat gefördert. Allerdings dürfen die geförderten Hilfsprojekte eigentlich keine EU-Migranten behandeln, da ein Europäisches Fürsorgeabkommen (EFA) zwischen der Bundesrepublik Deutschland und zahlreichen osteuropäischen Ländern fehlt und es Dissens mit den Senatsverwaltungen Gesundheit und Soziales sowie den Krankenkassen bezüglich der Finanzierung der Hilfeleistungen gibt.

In 2016 wurden insgesamt 27.000 Behandlungen von Obdachlosen durchgeführt. Aufgrund des hohen Anteils an nichtdeutschen Obdachlosen finden zwei Drittel der Behandlungen außerhalb der Förderlogik des Berliner Senates statt. Es existieren lediglich einige spendenfinanzierte Projekte, die versuchen, die Versorgungslücke zu schließen. Die derzeitigen Angebote entsprechen allerdings nicht dem Bedarf und können überwiegend nur notdürftig mit Hilfe von ehrenamtlichen, insbesondere pensionierten Ärzten aufrechterhalten werden. Deshalb haben sich alle Einrichtungen, die in der medizinischen Versorgung obdachloser Menschen in Berlin tätig sind, bereits 2014 zu einem Runden Tisch zusammengeschlossen. Sie fordern ein neues Finanzierungssystem, das tragfähige Strukturen ermöglicht und dem Bedarf gerecht wird.

Um die derzeitige Situation zu dokumentieren, trug der Runde Tisch erstmalig die Zahlen für einen Gesundheitsbericht für das Jahr 2016 zusammen. Damit will der Runde Tisch Anstöße liefern, um allen hilfesuchenden obdachlosen Menschen in Berlin, unabhängig von ihrem Aufenthalts- und Versicherungsstatus, eine menschenwürdige medizinische Basisversorgung zukommen zu lassen und Wege in die Regelversorgung zu öffnen. Deshalb unterstützt der Runde Tisch auch die Kundgebung "Gesundheit ein Menschenrecht", die am 20. März um 18:30 Uhr vor der Westseite des Brandenburger Tores stattfindet.

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Katrin Schwabow
Bereichsleitung Kostensatzprojekte

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