Verhinderungspflege und Kurzzeitpflege

Verhinderung der Pflegeperson

"Wer übernimmt die Pflege des Kindes, wenn die Pflegeperson verhindert ist?"

Fällt die Pflegeperson wegen Krankheit, Urlaub, Arbeit oder aus sonstigen Gründen für die Pflege des Kindes aus, stellt die Pflegekasse für Pflegebedürftige ab Pflegegrad 2 finanzielle Mittel für längstens sechs Wochen Ersatzpflege zur Verfügung. Voraussetzung ist, dass das Kind bereits mindestens sechs Monate in seiner häuslichen Umgebung gepflegt wurde. Den Antrag auf Verhinderungspflege erhält man bei seiner Pflegekasse.

Die Höhe der zur Verfügung gestellten Mittel umfassen bis zu 1.612€ im Jahr und gelten für längstens 42 Tage. Es besteht die Möglichkeit, diesen Betrag um bis zu 806 € durch unverbrauchte Mittel aus der Kurzzeitpflege auf bis zu 2.418€ aufzustocken. Die Mittel der Kurzzeitpflege verringern sich entsprechend. Während der Ersatzpflege wird die Hälfte des Pflegegeldes für maximal sechs Wochen weiter gezahlt.

Die Leistungen der Verhinderungspflege können auch stunden- und tageweise genutzt werden. Ist die Pflegeperson an einem Tag für weniger als acht Stunden verhindert, reduziert sich für diesen Tag das Pflegegeld nicht. Auch wird dieser Tag nicht von dem Gesamtanspruch der 42 Tage abgerechnet.

Die Ersatzpflege kann durch Privatpersonen, oder auch von Pflegediensten oder Familienentlastenden Diensten (FED) durchgeführt werden. Bei privat organisierter Verhinderungspflege sollte der Kostensatz im Voraus mit der Ersatzpflegeperson festgelegt werden. In der Regel werden die Ausgaben in Vorleistung durch die Familie erbracht und dann gegen Vorlage eines Nachweises (Quittung) von der Pflegekasse erstattet.

Wird die Verhinderungspflege von einer Pflegeperson durchgeführt, die mit dem Pflegebedürftigen bis zum 2. Grade verwandt oder verschwägert ist oder mit ihm in häuslicher Gemeinschaft lebt, so wird vermutet, dass sie die Ersatzpflege nicht erwerbsmäßig ausübt. In diesem Fall zahlt die Pflegekasse den Betrag des üblichen Pflegegeldes für 6 Wochen. Auf Nachweis können notwendige Aufwendungen wie Fahrtkosten oder Verdienstausfall, die der Pflegeperson im Zusammenhang mit der Pflege entstanden sind, übernommen werden. Insgesamt aber darf der Höchstbetrag von 1.612 € nicht überschritten werden.

Über folgende Links können sie Anbieter für die Ersatz- bzw. Verinderungspflege finden:

  • Berliner Anbieter von Familienunterstützenden Diensten finden sie hier.
  • Adressen von ambulanten Pflegediensten in ihrer Nähe finden sie über die Berliner Pflegestützpunkte
  • Darüber hinaus bieten in Berlin die Specialsitter auch kurzfristig einen fachlichen Babysitting- und Betreuungsservice für Kinder und junge Erwachsene mit Behinderung, die auf Basis der Verhinderungspflege vergütet werden können.

 

Kurzzeitpflege

Kann die Versorgung eines pflegebedürftigen Angehörigen aufgrund des vorübergehenden Ausfalls der Pflegeperson nicht zuhause erfolgen,  besteht u.U. die Möglichkeit, die Pflege und Betreuung in einer Kurzzeitpflege-Einrichtung durchzuführen. Dabei handelt es sich um selbstständige Einrichtungen, die Pflegebedürftige der Pflegegrade 2-5 für eine vorübergehende Zeit aufnehmen, pflegen und betreuen.

Der Anspruch auf Kurzzeitpflege besteht für bis zu 8 Wochen im Jahr. Die Aufwendungen für Pflege, Betreuung und medizinische Behandlungspflege können bis zu einem Gesamtbetrag von 1.612 € pro Kalenderjahr bei der Pflegekasse abgerechnet werden. Die anfallenden Kosten für Unterkunft, Verpflegung und Investition müssen von den Familien selbst getragen werden. Der Leistungsbetrag kann um bis zu 1.612 € aus noch nicht in Anspruch genommenen Mitteln der Verhinderungspflege auf insgesamt 3.224 € im Kalenderjahr erhöht werden. Wird Pflegegeld bezogen, wird die Hälfte des bisher bezogenen Pflegegeldes während der Inanspruchnahme von Kurzzeitpflege für maximal acht Wochen jährlich fortgewährt. Einen Antrag auf Kurzzeitpflege erhalten Sie bei ihrer Pflegekasse.

In Berlin gibt es nur wenige Kurzzeitpflege-Einrichtungen, die mehrfachbehinderte oder schwer kranke Kinder aufnehmen, da die meisten auf die Versorgung von älteren Menschen ausgerichtet sind. Erscheint die Pflege in einer zur Kurzzeitpflege zugelassenen Pflegeeinrichtung nicht zumutbar, kann diese Leistung auch in einer Einrichtung der Hilfe für Kinder mit Behinderung oder einer anderen geeigneten Einrichtung in Anspruch genommen werden.

Folgende Einrichtungen kommen für die Kurzzeitpflege von Kindern in Berlin in Frage:

Im Bedarfsfall können auch folgende Einrichtungen in Brandenburg genutzt werden:

Weitere Kurzzeitwohnangebote in anderen Bundesländern finden sie über den Verein becura e.V.

Die Versorgungsstrukturen in Berlin, die den gesetzlich festgeschriebenen Bedarf absichern sollen, sind nach Ansicht von Elternverbänden, Eltern behinderter Kinder, Fachkräften der Behinderten-/Jugendhilfe und der Kinderpflegedienste weder transparent noch in ausreichendem Maße vorhanden. MenschenKind setzt sich dafür ein, gemeinsam diese Entlastungsstrukturen weiter zu entwickeln.

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