FAQ`s Vorsorge

Hier beantworten wir die häufigsten Fragen zum Thema Vorsorge. Ihre Frage ist nicht dabei? Wenden Sie sich gern an die jeweiligen Koordinator_innen.

Die Interessengemeinschaft der Berliner Betreuungsvereine liefert Ihnen in einem Kurzvideo in mehreren Sprachen einen Überblick:

Vorsorge-Deutsch

Vorsorge- Einfache Sprache

Vorsorge-DGS

Vorsorge-Türkisch

Vorsorge-Russisch

Vorsorge-Polnisch

Vorsorge-Englisch

Vorsorge-Arabisch

Unser Angebot

Bitte sprechen Sie hierzu mit dem Betreuungsverein aus Ihrem Bezirk. Gemeinsam können wir Ihre individuelle Situation besprechen und gemeinsam herausfinden, welcher Weg für Sie der Richtige ist (Wen bevollmächtige ich? Wie viele? Zu welchen Themen? Worauf sollte ich achten?). 

Nicht nur Menschen, welche eine Vollmacht erstellen wollen, auch Menschen die als Bevollmächtige eingesetzt sind sowie ehrenamtliche Betreuer_innen können sich in einem Betreuungsverein beraten lassen. Eine Übersicht finden Sie hier.

Warum eine Vorsorgevollmacht? 

In Deutschland gibt es keine natürliche Vertretungsregelung. Ohne Vollmacht muss  ein_e Betreuer_in bestellt werden, sollten Sie als betroffene Person Ihre Angelegenheiten nicht mehr selbstständig organisieren und regeln können. Dies kann dann nach Ihrem Wunsch(Stichwort Betreuungsverfügung) ein An-Zugehöriger aus Ihrem nahen Umfeld oder ein vom Gericht bestimmte_r Betreuer_in sein. Die Beauftragung und Legitimation erfolgt jedoch immer durch richterlichen Beschluss. Der/Die Betreuer_in ist dem zuständigen Betreuungsgericht rechenschaftspflichtig.  

(Ausnahme ab dem 1. Januar 2023: Das automatische Vertretungsrecht für Ehegatt_innen, allerdings auf den medizinischen Akutfallbeschränkt, für maximal sechs Monate). 

Wen als Bevollmächtigten einsetzen? 

Wichtig ist, dass die Person Willens und in der Lage ist die Vollmacht im Fall der Fälle auch auszuüben und durchzusetzen. Zudem sollten Sie der Person voll vertrauen, da diese weite Vertretungsbefugnisse über Ihre gesundheitliche Versorgung und Ihre finanziellen Angelegenheiten hat.  

Mehrere Bevollmächtigte? 

Für Vertretungssituationen kann es sinnvoll sein, mehrere Menschen für unterschiedliche Aufgaben oder parallel zu bevollmächtigen.  Dann ist festzulegen, ob diese jeweils einzeln vertretungsbefugt sind, nur gemeinsam handeln können, oder jeweils einer den Hut auf hat, für einen Aufgabenbereich tätig ist. Es ist daher ebenfalls möglich die unterschiedlichen Bereiche des Lebens auch verschiedenen Personen zu zuordnen. 

Inhalte einer Vollmacht? 

Die Grenzen von Vollmachten sind gesetzlich vorgeben. Grundsätzlich können Sie für jede legale Handlung, die tatsächlich auch ein Anderer vollziehen kann, Vollmachten erteilen. Ausnahmen bilden allein die höchstpersönlichen Angelegenheiten, wie Testamentserstellung oder Heirat. Für sogenannte Vorsorgevollmachten können Sie sich an den Aufgabenkreisen (Vertretung vor Behörden, Einrichtungen und Gerichten, Gesundheitssorge einschließlich des Aufenthaltsbestimmungsrecht, Wohnungsangelegenheiten, Vermögenssorge und Postangelegenheiten) der rechtlichen Betreuung orientieren.  Sie sollten Ihre Wünsche und Lebensvorstellungen mit Ihrem Bevollmächtigten besprechen. Da es für Sie mit der Vollmacht darum geht, in einem Moment des vollen Bewusstseins Entscheidungen für Ihr Leben und Ihre Lebensgestaltung zu treffen, können Sie auch formulieren, wie Sie sich Ihr Leben wünschen.  So sollten Sie Dinge, die Sie für Ihr Leben brauchen, benennen. Seien es die Möglichkeit, soziale Kontakte weiter zu pflegen, auf das Meer zu schauen oder selbst Mahlzeiten zuzubereiten.

Formvorschriften? Notar zwingend nötig? 

Nein. Mit Datum und Unterschrift ist die Vollmacht einsatzfähig. Achtung Bankvollmachten – da haben die Banken eigene Formulare, die u.U. auch notariell zu beglaubigen sind. Auch bei der Abwicklung eines Gewerbes oder Eigentum an Grundstücken ist ein Notar hinzuzuziehen. 

Ab wann ist eine Vorsorgevollmacht gültig? 

Ab sofort oder bei Eintritt der in der Vollmacht formulierten Bedingung. Wir raten zudem, sich diese bezeugen zu lassen. Hierbei geht es nicht um den verfassten Inhalt, sondern um die Bestätigung, dass Sie die Vollmacht freien Willens ausgefüllt haben. Dies übernehmen oft Hausarztpraxen. Zudem ist es ratsam, die Vollmacht regelmäßig (3-5 Jahre) auf ihre Aktualität zu überprüfen und mit einer weiteren Unterschrift zu aktualisieren.

Beglaubigungen durch uns? 

Nein. Sie können sich Ihre Unterschrift auf der Vorsorgevollmacht/en in der zuständigen Betreuungsbehörde beglaubigen lassen. 

Wo bewahre ich die Vollmacht auf? 

Es ist anzuraten die Vollmacht in der eigenen Häuslichkeit aufzubewahren, da diese hier schnell aktualisiert, geändert oder widerrufen werden kann. Dann ist sicher zu stellen, dass der Bevollmächtigte schnellen Zugang zu der Vollmacht, bei Eintritt der formulierten Bedingung, erhält.  

Vollmacht gleichzeitig als Betreuungsverfügung nutzen? 

In der Betreuungsverfügung benennen Sie die Person, die Ihre Betreuung führen soll. Dies kann auch eine Einrichtung sein. In einer Betreuungsverfügung können Sie zudem Handlungsanweisungen bezüglich der Verwaltung des Vermögens, oder der späteren pflegerischen Versorgung festschreiben.  Eine Vollmacht kann gleichzeitig als Betreuungsverfügung genutzt werden. Sodass falls eine Betreuung trotz Vollmacht nötig sein sollte die Bevollmächtige_n Person_en die Betreuung übernehmen soll_en. 

Erlaubnis Untervollmachten zu erteilen? 

Dies kann für eine bestimmte Vertretungssituation und Dauer durchaus sinnvoll sein. Sind bereits mehrere Bevollmächtigte eingesetzt, wird mangels Transparenz und Kontrollmöglichkeiten eher keine Untervollmacht erstellt.  

Vollmacht über den Tod hinaus? 

Dies ist insbesondere dann ratsam, wenn die Bevollmächtigten auch Ihre Erben sind. Denn die Vertretungsbefugnis erlischt sonst mit Ihrem Versterben und den Erben werden erst nach Erhalt des Erbscheins wieder weitreichende Befugnisse eingeräumt. Dies kann durchaus einige Wochen in Anspruch nehmen, in welchen der Erbe nicht über seine Erbmasse verfügen und z.B. Ihre ehemalige Wohnung nicht kündigen kann. 

Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung wie spielt das zusammen? 

In der Vorsorgevollmacht benennen Sie Ihren rechtlichen Vertreter.  In der Patientenverfügung geben Sie Ihrem Bevollmächtigten Handlungsanweisungen zu Ihrer medizinischen Versorgung an die Hand. Ihre in der Patientenverfügung festgehaltenen Wünsche und Vorstellungen sind im Eintrittsfall verbindlich von Ihrem Bevollmächtigten durchzusetzen.  

Für weitere Informationen zur Patientenverfügung klicken Sie hier.

Dort sind zudem die häufigsten Fragen hier für Sie festgehalten und beantwortet.  

Missbrauch von Vollmachten 

Eine Vorsorgevollmacht ist ein möglicher privater Weg der Vorsorge. Eine bevollmächtige Person wird in ihrer Arbeit durch niemanden kontrolliert. Daher ist es sehr wichtig, sich genau zu überlegen, wen man in eine Vorsorgevollmacht einsetzen möchte. Bei Unsicherheiten sollte auf die Ausstellung einer Vorsorgevollmacht verzichtet werden und eher eine Betreuungsverfügung erstellt werden. Was passiert, wenn Sie weder das eine noch das andere tun erfahren Sie hier.  

 

Grundsätzlich gehen Vollmachten der rechtlichen Betreuung vor. Stellt ein/eine Richter/in im Betreuungsverfahren fest, dass eine Vorsorgevollmacht besteht, ist das Betreuungsverfahren beendet. Ausnahmsweise kann eine Vollmacht bei Bestellung einer rechtlichen Betreuung aufgehoben werden, wenn ein Schaden für die betroffene Person abgewendet werden muss.